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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
42 (sequence 16)
Language
German
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Theodor Steinbüchel Daß dieser Glaube auch Glaube weckte, daß der Ruf gehört wurde, ist aus der Not des Proletariates, das Marx kannte, verständlich. Es war niemand da, der den Ausgestoßenen eine Hoffnung machen konnte, ohne die kein Mensch leben kann. Marxens Verkündigung war dem Schicksal des aus Heimat und Tradition gelösten, im Auflösungsprozeß aller hergebrachten Bindungen stehenden, mit der sich entformenden Gesellschaft selbst entformten, untersten und doch das Leben dieser Gesellschaft bedingenden Schicht — in fast wörtlichem Sinne — auf den Leib zugeschnitten. Marxens Ethos war in viel höherem Maße antibourgeois als Lassalles Gesinnung und Haltung. Das Ethos Marxens aber traf auf Menschen, die noch glauben konnten, weil sie „noch von der Inbrunst der ins Sozialistische konvertierten traditionalen. Gläubigkeit des flachen Laifdes und der kleinen Stadt lebten" (Briefs) und daher aus verklungener Gläubigkeit noch in dem Maße zehrten, daß das Eschatologische in der Diesseitsverkündigung ihres Propheten noch eine Saite ihrer Seele anschlagen konnte. Es ist nicht der „wissenschaftliche" Sozialismus in dem schweren Gerüst der Mehrwerttheorie und der Dialektik des historischen Materialismus gewesen, sondern das in ihm lebende, vom Rationalismus der Zeit rationalistisch in die kausale Erkenntnis naturwissenschaftlicher Forschungsmethode gekleidete Willensethos der Zukunftsverkündigung und des Willens zur Zukunft, das den Marxismus als die „Weltanschauung" des Proletariates schlechthin von diesem Proletarial erlebt, nicht bloß nachgedacht werden ließ. Daß die Marxsche Verkündigung, soweit sie inhaltliche Weltanschauungsmomente namentlich in der Wertung des Menschendaseins einschloß, nur eine bürgerliche Ideologie aufgriff und nichts Eigenes fand, auch das ist Schicksal für Marx und seine Gläubigen geworden. Weltanschaulich war Marx nicht schöpferisch, und seine Lehre vom Menschen in seinem Verhältnis zum Transzendenten bewegte sich durchaus in den Bahnen des bürgerlichen Denkens. Ludwig Feuerbach blieb, auch nachdem sich Marx von dessen Geschichtsauffassung abgewandt hatte — und nur kurze Zeil, in dem Übergangsstadium von der deutschen Ideologie des Junghegelianismus zum historischen Materialismus, war Feuerbach für den Geschichtsphilosophen Marx ein Anreger — in seiner antireligiösen Haltung der Lehrer Marxens. Im Geist der Aufklärung im Vaterhause gebildet, ist Marx schon früh einem Atheismus erlegen, der ihn zunächst mit den Junghegelianern das menschliche Selbstbewußtsein an die Stelle des göttlichen Geistes setzen und mit Bruno Bauer den Plan zu 42

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