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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
39 (sequence 13)
Language
German
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f Kar! Marx. Gestalt und Ethos. gefühl entspringen, durch. Wenn Marx das Christentum verachtete, so nicht aus philosophischem Atheismus allein, sondern bei diesem Realisten nicht zuletzt auch um der „Heuchelei" willen, wie er es im Zeitalter des beginnenden Hochkapitalismus in der Bourgeoisie gesehen hatte und wie es sein „Kapital'" festgehalten hat. Ein christlicher Schweizer Theologe (J. Matthieu) hat gelegentlich einen Vergleich zwischen alttestamentlichem Prophelenethos und Marxens Gerechtigkeitspathos gezogen. Auch Israels Propheten kannten in den Formen ihrer Zeit das, was wir heute die Nachtseite des Kapitals nennen. „Ein Haus an das andere reihen bis kein Raum mehr da ist" — Marxens Kapital nennt das die „Grundrente". „Nach dem Erdkrümchen auf dem Haupte des Geringen gieren" — Marxens „Ausbeutung" sagt trotz ihres Anspruches, rein ökonomisch-soziologischer Begriff zu sein, sehr oft etwas Ähnliches, wenn es um die Schilderung dieser Ausbeutung der Exploitierten. der Frauen und der Kinder zumal, um Luxus und Korruption, um Profitgier und Plusmacherei gehl. Marx weiß um die Würde des Menschen nicht als eines christlichen Gotteskindes in christlicher Menschenwertung, aber um seine Würde als Mensch im Sinne eines idealistischen Humanismus, der seine nicht immer ausgesprochene, aber immer in ihm lebendige Gerechtigkeitsidee trägt. Darum seine immer wieder durchbrechende sittliche Empörung, wenn er im kapitalistischen Produktionsprozeß den Menschen nur gewertet sieht als „Hand", als „bloßes Zubehör der Maschine", als „Ganz- und Halbzeitler", als „Handelsartikel" und „Ware", „allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt", als „Naturgegenstand", als „Arbeitsvieh" und „Sklave", den nicht, vüe einst den antiken Sklaven, Ketten an seinen Eigentümer binden, aber die l.ebensnot an seinen lx>hnherrn. Marx sieht den Kapitalismus als den Umwerter aller Werte, der den Nutzwert zum Wert der Werte erhoben und die ganze Skala menschlich-sittlicher Werte ihm untergeordnet hat, da er „alle persönliche Werte in Tauschwert'* auflöste, die von der sittlich-menschlichen Persönlichkeit unabtrennbare persönliche Arbeitskraft nur noch als „dingliche Äußerung" und ihren Träger als „ein Ding, wenn auch lebendiges, selbstbewußtes Ding" ansprach, und der den „wertlos" gewordenen Menschen, der ja „Wert" nur hat als wertzeugende Ware, auf die Seite schiebt als „unverkäuflich wie außer Kurs gesetztes Papiergeld". Er sieht die Versachlichung der Person. 39

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