Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 37 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Karl Marx. Gestalt und Ethos. seine Entmenschlichung am ehesten, aber es schließt nicht aus, daß er darüber hinaus um seine menschlich-sittliche Existenz als Glied des Menschseins seinen Kampf führt Das Marxsche Ethos als sittliche Zielsetzung ist falsch bewertet, wenn es utilitaristisch gedeutet wird. Es glaubt sich im Dienst nicht nur einer Klasse der Menschen, sondern der Menschheit schlechthin. Der Sozialismus Marxens will die Befreiung beider Klassen von ihrer zwangsmäßigen Knechtung unter die von ihnen unbegriffene Macht der wirtschaftlichen Gesetzlichkeit durch die nunmehr erkannte und zum Segen des Ganzen gelenkte, in der freien Verfügung und darum auch im Dienste des Ganzen stehende Gütererstellung. Und da diese der letzttreibende Faktor auch des sozialen Lebens ist, deshalb wird dieses ein „sozialistisches" im Sinne echter Gemeinschaft gleichberechtigter Menschenglieder sein. Dieser „wirklich menschlichen Moral" (Engels) der Gemeinschaft menschlicher Persönlichkeiten zur Geburt zu verhelfen, ist das tiefe und echt sittliche Ethos des Marxschen Klassenkampfes. Nur Kampf führt diese Gemeinschaft zur geschichtlichen Wirklichkeit empor, nicht Verständigung und noch weniger utopischer Glaube an Ethik und Logik der Mächtigen. Daran zu glauben war Marx zu sehr aktivistischer Revolutionär. Und dazu hatte er zu viel von dämonischer Glut in seiner vom Willen inspirierten Geistigkeit Aber das idealistische Erbe der Jugendzeit, den Glauben an Mensch und Menschheit, hat er nie verloren. In Hegels Dialektik hat er nach ihrer berühmten „Umstülpung", die die Idee nicht mehr als Gestalterin, sondern als Produkt des Sozialen anspricht, die Waffe gefunden, mit der er sein revolutionäres Wollen auch philosophisch verteidigen, ja die Revolutionslogik, mit der er es, wie er selbst überzeugt war, erst begründen konnte. Im Sinne des Junghegelianismus hat er Hegel von Anfang an revolutionär gedeutet, apokalyptisch Hegels Betrachtung der Weltgeschichte umdeutend in eine Prophetie des Weltgerichtes und des durch die Katastrophe des Untergangs dieser Welt hindurchschreitenden neuen Reiches des Friedens und der Versöhnung. Das bloße Wissen Hegelscher dialektischer Schau hat er in das Ja des Willens als Organ und Funktion des dialektischen Weltprozesses zu diesem Werden gewandelt „Keiner als er hatte es mit Augen gesehen, wo und wie und in welcher Gestalt die Endzeit am Himmel der Geschichte heraufzog. Und keiner sonst, auch Hegel selber nicht, hat den Gedanken der unbedingten Diesseitigkeit des sittlichen Verhältnisses so zu Ende gedacht, wie dieser fanatische Verkünder menschheitlicher Zukunft" (Fr. Rosenzweig). Aber darum mit Sombart. schlechterdings nichts Deutsches in Marx sehen zu wollen, ist ein 37