Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Theodor Steinbüchel schaftlichen Klassengegensatz und -kämpf geschwunden und die neue, klassenlose Gesellschaft erstanden. So ist des Proletariates weltgeschichtliche Aufgabe die Befreiung der Menschheit aus Elend und Not Der Klassenkampf hat somit eine kultursittliche Bedeutung, das Proletariat eine Kulturmission im Dienste der Menschenbefreiung. Wie der Kapitalismus seinen eigenen Mörder im Sozialismus gebiert, so hat sich in schicksalhafter Dialektik die Kapitalistenklasse im Proletariat „ihren eigenen Totengräber" geschaffen. Die aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossene Gesellschaftsklasse der Proletarier hat nicht nur kein Interesse an deren Erhaltung, sie allein ist um dieses ihres Ausgeschlossenseins wegen auch einzig befähigt, sich von den ökonomischsozialen wie von den ideologischen Fesseln der kapitalistischen Gesellschaft zu befreien. Sie ist die einzig revolutionäre Klasse in der heutigen Menschengesellschaft. Aber ihre Erhebung gegen die bourgeoise Gesellschaft ist weder Selbstzweck noch nur sich selber Zweck. Der Klassenkampf des Proletariates ist Mittel zum Zweck, aber nicht Mittel zu einem nur selbstischen Zweck, wie es der Klassenkampf der Besitzenden ist, sondern Mittel zum Zweck der Befreiung der Unterdrücker wie der Unterdrückten. So hat die proletarische Revolution nicht eine „politische Seele" nur, die eine neue Klassenherrschaft an die Stelle einer überwundenen setzen will. Die „Diktatur des Proletariates" ist nur der letzte Akt des großen Kampfdramas vor der Götzendämmerung der bisherigen Klassengesellschaft, nicht das Endziel selbst und nicht eine Dauereinrichtung. Das Ideal, das der Marx des „Pariser Vorwärts" entwickelte, ist der Glaube auch des spätesten Marx geblieben, so sehr er der Hegeischen Ideologie und der Feuerbachschen Anthropologie entsagt hatte: „Eine soziale Revolution befindet sich deswegen auf dem Standpunkt des Ganzen, weil sie . . . eine Protestation des Menschen gegen das entmenschte Leben ist, weil sie vom Standpunkt des einzelnen wirklichen Individuums ausgeht, weil das Gemeinwesen, gegen dessen Trennung von sich das Individuum reagiert, das wahre Gemeinwesen des Menschen ist, das menschliche Wesen . . . Jede Revolution löst die alte Gesellschaft auf; insofern ist sie sozial. Jede Revolution stürzt die alte Gewalt; insofern ist sie politisch." Das „wirkliche" Individuum ist der entmenschte, vom menschlichen Gemeinleben ausgeschlossene proletarische Mensch. Wenn er gegen diesen Ausschluß sich erhebt, dann kämpft er für seine Menschlichkeit, nicht bloß um ein hedonisches „Glück" und am wenigsten für Teilnahme an den „Vorteilen" einer Gesellschaft, die er negiert Wenn er um die Möglichkeit der nakten Lebensexistenz kämpft, so zeigt dies 36