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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
34 (sequence 8)
Language
German
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Theodor Steinbüchel selbstischen Bedürfnisse kennen gelernt hatte. Und von diesem ..Juden", der mit allen Gliedern der bürgerlichen Gesellschaft nur das „Geld" und nur den „Wechsel" als den vom Volksgott zum Weltgott gewordenen „eifrigen Gott" kennt, und dessen Nationalität „die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen" ist, wird die Menschheit nur befreit, wenn die egoistischindividualistische Gesellschaftsform der höheren, sozialistischen weicht, oder, wie der junge Marx es noch sieht, wenn ein Staat geschaffen ist, in dem „der Konflikt der individuell-sinnlichen Existenz mit der Gattungsexistenz des Menschen aufgehoben ist". Dann ist die Gesellschaft vom „Juden" befreit; Solches „Judentum" kann auch bei germanischer Rasse und bei christlicher Religion nach dem Zeugnis von Geschichte und Gegenwart vorhanden sein, und nur Pharisäertum wird anders urteilen. Ein eschatologisches Moment, eine Zukunftserwartung, die ebenso sicher sich erfüllt, wie sie in glühender Hoffnung erwartet wird, eignet dem Marxschen Denken, wie in den letzten Jahren oft beobachtet worden ist, ohne Zweifel. Sie ist in ihrer religiösen, biblischen Form jüdischer Sonderbesitz und von der jüdischen Apokalyptik in hier nicht zu behandelnder, vielfach nuancierter Form dem Christentum übermittelt worden, dessen Heilige Schriften von Zukunftserwartungen voll sind. Sie setzen sich 5n dem zu allen christlichen Zeiten mehr oder minder lebendigen Formen des Chiliasmus fort, bis sie im Säkularisierungsprozeß der Neuzeit rein philosophische Färbung annehmen. So wenn, um von vielen nur Kant und Fichte zu nennen, im „philosophischen Chiliasmus" die ins Unendliche verlaufende ethisch-humane Erhöhung der menschlichen Gesellschaft als stets zi erstrebendes Ziel der geschichtlichen Entwicklung angenommen wird. Auch Marxens Zukunftserwartung ist säkularisierte Eschatologie, gekleidet in das Gewand der materialistischen Geschichtsauffassung, inhaltlich erfüllt mit einem humanitären Sozialismus, ein Glaube, getragen von dem prophetischen Bewußtsein, Befreier aus konkreter, in ihrer ganzen Wirklichkeit empfundenen Gegenwartsnot zu sein. Engels, oft nicht nur der Anreger Marxens, sondern auch sein bester Interpret, hat den prophetisch in die Zukunft weisenden, selbstsicheren Zug des Marxismus, sein Zukunftspathos in allem Glauben an die Notwendigkeit der kommenden Welt, als Mahnung an Eduard Bernstein in einem Briefe au& dem Jahre i885 gut herausgehoben: „Aber vergiß nicht die alte Regel: über der Gegenwart der Bewegung und des Kampfes nicht die Zukunft der Bewegung zu vergessen. Und die gehört uns." Das ist genuin marxistisch ge- 34

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