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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
33 (sequence 7)
Language
German
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Karl Marx. Gestalt und Ethos. wältigen stehend und dennoch auf das Kommende in seinem der Zeit Verhafletsein gerichtet. Der Mensch des Müssens, für den dieses Müssen dennoch eine Hoffnung birgt, zu deren Erfüllung ihn die Weltgeschichte selbst beruft Das ist der Glaube in der Tiefe des Marxschen Rationalismus, der Glaube im „wissenschaftlichen" Sozialismus, der somit des irrationalistischen Tiefenmomentes gerade durch die Dialektik nicht entbehrt. Nur vermeintlich kann man um die kommenden Dinge „wissen" und nur vermeintlich Gegenwarts-„Tendenzen" ausdeuten zu einem Zukunftsbild aus reiner Erkenntnis des Gewesenen und des Seienden. Man kann „wissen", was ist, nie, was sein wird. Marx wußte es, glaubte es zu wissen, weil sein Wille es wissen wollte. Auch in diesem Willensmenschen lebte ein Prophet, und die gelegentlich aufgetauchte Unterscheidung von prophetischem und marxistischem Sozialismus ist mehr als gekünstelt. Ein Kreuzweg ist für Marx der gesellschaftliche Gang der Menschheit, ein notwendiger und unabänderlicher, der beschritten worden ist und beschritten werden mußte, aber am Ende der via dolorosa winkt die Erlösung im „Reich der Freiheit", von dem auch das „Kapital" zu träumen versteht. Wie im „Manifest" am Ende der kapitalistischen Ära innerhalb der sozialistischen Gesellschaft eine „Assoziation" entsteht, „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist", so erschaut das „Kapital" eine Zukunft, in der als „Grundprinzip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums" herrscht Engels spricht nur Marxsche Willensziele und Hoffnungen aus, wenn er vom „Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit" redet, der sich dann vollzieht, wenn der Mensch sein gesellschaftliches Leben nach dem erkannten Gesetz dieses Lebens einrichtet Will man in einer, freilich sehr vagen und zweifelhaften Rassenpsychologie den starken Willen und die lebendige Sehnsucht nach dem Kommenden als besondere Merkmale jüdischen Geistes bezeichnen, so ist Marx ein echter Jude auch im Sinne dieser Rasseneigentümlichkeit gewesen. Aber ein öder Antisemitismus hat kein Recht, auf Marx deshalb zu schimpfen, kein Recht zu dem Glauben, so Marx schon „widerlegt" oder gar die Beschäftigung mit ihm ala müßig hingestellt zu haben. Denn den „Schacher" und das „Geld", dieses „praktische und reale Judentum", hat Marx selbst voll Grimm bekämpft Den „Juden" in diesem Sinne aber hat gerade er und er zuerst als Erzeugnis der auf das persönliche Interesse ausschließlich gerichteten „bürgerlichen Gesellschaft" gesehen, die er bei Hegel als bloße Organisation zur Befriedigung der 33

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