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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
31 (sequence 5)
Language
German
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Karl Marx. Gestalt und Ethos. Zukunft zu cutwerfen., sie sah nun auch die „revolutionäre umstürzende Seite" in diesem Elend, und damit hat sie „aufgehört, doktrinär zu sein, sie ist revolutionär geworden". Das charakterisiert auch die wissenschaftliche Leistung des „Kapitals". Denn es gibt nicht nur eine theoretische Erforschung vom Wesen und Werden des Kapitals, es zeigt nicht nur die dialektisch-notwendige Bewegung von Kapitalismus zu Sozialismus, es lebt auch in ihm das gewaltige Pathos des ethischen Menschen, der bei allem geschichtlichem Erklären der „Ausbeutung" diese Ausbeutung ethisch verurteilt und den gesellschaftlichnotwendigen Klassenkampf als Stufe zu höherer Gesellschaftssittlichkeit wertet Mag Marxens Geschichtsauffassung auch die ethischen Ideale in ihrer Ausgestaltung im Bewußtsein der vergesellschafteten Menschen aus der jeweiligen wirtschaftlich-sozialen Wirklichkeit erklären — er kann gleichwohl durch solche Tatsachenerklärung über ihre Geltung nichts ausmachen, wie der nachmarxsche ethische Sozialismus mit ganzem Rechte gegen Marx geltend gemacht hat — er hat doch diese Ideale, und er hat, wie niemand vor ihm, gerade im „Kapital" gleich wie im „Manifest" die physische, geistige und sittliche Verelendung des Menschen im Proletarier nachgewiesen, die Degradierung seiner Menschenwürde gegeißelt Auch das Kapital will etwas: den Auf weis des notwendigen Kommens der neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, und in ihr des seiner Verelendung enthobenen Menschen. Wer in Marxens wissenschaftlichem Lebenswerk den Menschen Karl Marx sucht, der findet im Theoretiker den Praktiker, im Soziologen den Ethiker, im Historiker den Politiker, im Denker den Willensmenschen, der sein Denken nicht nur zur Arbeit, sondern auch in die Richtung seiner letzten Wertanschauungen, seines „Herzens" zwingt. Wenn Toennies im „Unwillen und Haß gegen den Kapitalismus, in der entschiedenen Parteinahme für die arbeitende Klasse" Marxens Kraft und sein Schicksal erblickt hat, dann hat er Marxens Ethos als ausgesprochenes Willensethos erfaßt und in rechtem Verslehen darin Marxens „Ehrgeiz" gesehen, seinem sozialistischen Wollen in seiner wissenschaftlichen Arbeit die „Basis" zu schaffen. Auch Marxens Weltanschauung, wie sein von ihr durchpulstes Werk wird aus seiner Psyche erst verständlich. Den ausgesprochenen Gegner des Utopismus trieb eben sein drängender Wille doch wieder zur Utopie. Er hatte seine Wunschbilder. Der Historiker in ihm war zu sehr aktivistischer Willenstyp, um mit Hegel den Flug der Eule der Minerva nur in der einbrechenden Dämmerung zu beobachten und die alt gewordene Gestalt des Lebens der Gegenwart nur in dem Grau in Grau 3X

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