Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Karl Marx
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 28 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Theodor Steinbüchel ständlichen, die nach dem Wahrheits- und Gültigkeitscharakter der im wissenschaftlichen Denken gestalteten Denkinhalte fragt und diese an den Gegenstanden mißt, die durch sie repräsentiert werden sollen. Ein in so hohem Grade dem geschichtlich-gesellschaftlichen Leben, seinem Werden und seinem Verlauf in die Zukunft hinein sich widmendes Werk wie die Lebensarbeit Marxens muß die Gestalt seines Schöpfers, den Genius, der in dieser Arbeit lebte, offenbaren und die Seele aufdecken, die in ihr und in jeder ihrer Etappen wirksam war. Eine „verstehende" Psychologie will die Grundfaktoren ergreifen, die die schaffende Seele bewegen und die Werturteile bedingen, die in dem geschaffenen Werk ausgesprochen oder unausgesprochen ihren Niederschlag finden. Der Historiker muß sich in diese Seele hineinversetzen können, aus ihr heraus zu denken sich bemühen und das Werk in seiner eigenen Seele noch einmal erstehen lassen, will er Schöpfer und Werkschöpfung verstehen. Diese Schöpfung hebt sich heraus aus der Welt des „objektiven Geistes'* einer Zeitrichtung und hebt sich als eigenwertiges Werk doch zugleich ab von ihm. Der Schöpfer selbst aber, mag er noch so sehr als Typ sich einreihen lassen in eine mehr oder weniger konstruktive Welt überpersönlicher Gemeinsamkeit mit anderen, bleibt personale Ganzheit einer einmaligen und einzigartigen Individualitat, die in ihrem Werk gestaltend lebt, und die nur die nachlebend-versenkende Intuition verstehend ergreifen kann. Die intuitive Versenkung selbst verbindet sich in der verstehenden Personalerforschung mit der kritischen Wahrhaftigkeit, die an Mensch und Werk selbst sich stetig korrigiert Doch erst da, wo zwischen Forscher und Erforschtem sich eine gemeinsame Wertwelt auftut, in der beide sich treffen, ist ein Verstehen möglich, gleich ob die Stellungnahme zu dieser Welt bei beiden eine verschiedene ist, ob also von der einen Basis sich beide anders abheben, ja vielleicht der eine sich gegen das stemmt, was dem anderen Wert ist, wenn nur das Gemeinsame abwertend oder Zustimmung findend, zwischen ihnen da ist. Von dieser erkenntnistheoretischen Grundlegung her suchen wir Marxens Gestalt und ihr Werk in ihrem Ethos, d. i. in ihrer inneren Wert- und Zielrichtung, zu „verstehen". m , „Prometheus ist der vornehmste Heilige und Märtyrer im philosophischen Kalender." Das ist der Schlußsatz Marxens im Vorwort seiner Doktordissertation. Man kann in ihm eine Offenbarung von Marxens innerem Wesen er- 2$