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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Karl Marx
Date
1928-04-01
Page
27 (sequence 1)
Language
German
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Karl Marx Gestalt und Ethos Von Theodor Steinhüchel Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte — auf kaum eine Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts kann man dieses Schillerwort mit soviel geschichtlicher Berechtigung anwenden als auf Karl Marx. Er lebt fort, verklärt von der Liebe derer, die in ihm den Propheten einer neuen Welt und einer glücklicheren Menschheit ersehnen, ververdunkelt von dem Hasse der anderen, die in ihm den dämonischen Zertrümmerer sehen einer in ihrer Sicherheit und Werthaftigkeit unbezweifelten bürgerlichen Kultur und Sozialordnung. Welche seelischen Trieb- und Gestaltungskräfte lebten in Marxens Persönlichkeit und welchen Hoffnungen gab sein Werk Ausdruck? Das sind die Fragen, auf die hier eine Antwort gesucht werden solL Aber es bedarf einem noch heute so umstrittenen Menschen wie Karl Marx gegenüber vorerst einer kurzen methodologischen Vorbemerkung über Ziel und Absicht dessen, was historisches Verstehen sein kann. Nicht wieder einmal soll hier Marxens Leben erzählt, auch nicht zum tausendstenmal sein Werk in seinem wissenschaftlichen Gehalt und seinem historischen Werden analysiert werden. Keines historischen Denkers Werk ist von seiner in diesem Werke schöpferisch werdenden Seele ablösbar. Die ^Wissenschaft" schwebt nicht derart über dem das Wissen schaffenden Menschen, daß sie nicht die Innenwelt ihres Schöpfers irgendwie und in irgend einem Maße enthüllte. Je mehr sie dem konkreten Menschenleben in Vergangenheit und Gegenwart zugewandt ist, um so mehr ist sie von Wertanschauung und Blickrichtung ihres Schöpfers bedingt. Die „Psychologie der Weltanschauung" ist daher eine berechtigte Betrachtungsweise neben der gegeu- 3 27

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