Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 1 (April 1928)
- Article
- Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler im Hessischen Landesmuseum Kassel
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2895450-2895475-2895477-2898648--02565-2898688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdische Kult- und Kunsldenkmaler im Hessischen Landesmuseum. Kassel der Juden auf die Entlastung berufen konnte, mit der die hohenstaufischen Beamten den Untersuchungsbericht an Kaiser Friedrich II. abgeschlossen hatten. Frankenberg führte (1290?) seine Juden in das nahe gelegene Geismar (nicht Hofgeismar!) und verbrannte sie dort, zweihundert an der Zahl! Von Kassel selbst aber darf man rühmen, daß es sich erst im Wahn jähr des Schwarzen Todes i3.^9/'5o. nachdem i337 in Büdingen und Friedberg die Flammen zuerst hochgezüngelt waren, zugleich mit der Mehrzahl der hessischen Städte, den Verfolgungen anschloß. Aber schon beträchtlich früher weiß es von Juden. Denn als 1262 die Karmelilerordensbrüder nach Kassel kommen, da kaufen sie, wie sie 1298 beurkunden, einen Hof mit Haus und Tennen unter den Stadtmauern, den vordem eine Jüdin, dicta Rechelm, d. h. Kahel, bewohnt halle. Die Lage dieser Curia ist bekannt; sie war in der ältesten, an das Ahnaberger Kloster sich anlehenden, noch heule von der Judengasse durchschnittenen Judensiedelung, die von der freien Fulda nur durch den natürlichen Wall des schmalen Zuchtbergs getrennt ist. Von einem abgeschlossenen Ghetto nach Mainzer Art ist hier so wenig zu sprechen, wie bei dem allen Frankfurter Judenquartier am Dom. Auch später noch werden hier zwischen der „Judenschule" (1/186) und der Schoßpforte, der Hebestelle am Ausgang der.Judengasse, bürgerliche Zinshäuser erwähnl und noch 1767 bildete das Metzger- Gildehaus die Ecke der am Packhof zusammenstoßenden Straßen Fliegen- und Judengasse. Neben dieser Judengasse halte Kassel — wahrscheinlich schon seil dem XV. Jahrhundert — nicht weit davon entfernt, hinler der neuen staatlichen Hauptstraße, der Herren- oder Wildemannsgasse seine zweite Judensiedlung: „Hinter dem Judenbrunnen", der älteren ähnlich in ihrer hakenförmigen Krümmimg und in der Plalzerweitcrung am Ausgang. Die Judenschule, für Marburg schon 1017 bezeugt, in Kassel zuerst 1898 erwähnt, obwohl unzweifelhaft viel älter, lag begreiflicherweise in der alten Judengasse: nicht weil davon lag auch der erste Judcnl'riedhof, der aber schon 1/190 wohl zugunsten des Friedhofs am jetzigen Königsplalz, von dem die Stadt um die Wende vom XV. zum XVI. Jahrhundert gute Gebühren bezog, verlassen war. Schule und Friedhöfe sind spurlos untergegangen. Besilzveränderungen, Sladterweiterungen und hochfürstliche Bauprojekte haben ihr Schicksal entschieden. Zeugnisse solch ehrwürdigen Alters, wie die romanischen und gotischen Bauglieder, die nach Professor Vonderaus Milleilung kürzlich in der Fulder Synagoge aufgedeckt wurden, sucht man in Kassel vergeblich. Fulda, dessen Äblc seit i3ot mit dem Judenschutzrecht privilegiert waren — ein erhaltener, befristeter Schutzbrief von i3g9 für das ganze SlifIsland zeigt uns seine gelenkc Verwendung — begegnet sich in judenschaftlichen Angelegenheiten nicht selten mit Hessen-Kassel. Zunächst mutet es zwar befremdlich an, daß in den Silberinventaren des hessischen Landgrafen Wilhelm V. von 1619 unter anderen Vermähhmgsgeschenken auch ein Becher der Fuldischen Judenschaft erscheint. Aber wenn man berücksichtigt, daß Landgraf Moritz 1626, als er seine hessischen Juden anwies, sich einen eigenen Rabbiner zu bestellen, ihnen den Vorwurf machle. daß sie ihre Angelegenheiten zuvor vor dem Rabbiner zu Fulda und nun vor dem von Friedberg verhandelt -- bei der noch anhaltenden ständischen Ver- 5