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Der Morgen · 1928-04-01 · Heft 1 (April 1928) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 1 (April 1928)
Article
Jüdische Kult- und Kunstdenkmäler im Hessischen Landesmuseum Kassel
Date
1928-04-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Rudolf Hallo schichte der Juden in Hessen in sich selbst zwiespältig, und daß sie durch verfassungsmäßig* Eigentümlichkeiten stets über den engen Rahmen des Staatsgebietes hinaus mit größeren Bezirken des ganzen deutschen Landes verknüpft war. Die Zwiespältigkeit wird sich in der Schilderung der wenigen Stücke, die auf den Tafeln allein vorgeführt werden können, charakteristisch ausprägen einmal in einer aristokratisch daherschreilenden „Hofkunst"', zum andern in der häuslichen und kleinbürgerlichen Hinterlassenschaft einzelner Familien und ganzer Gemeinden, die man nicht anders bezeichnen kann denn als jüdisch-hessische „Volkskunst'*. Und wenn die Regierung zu Kassel in Verordnungen von 1709 und i~~3, die sich an alle ihre nicht privilegierten Untertanen wandten, hinsichtlich der Kleidung von „Juden auf dem Lande" und „geringeren Juden in der Residenz" sprechen konnlc, denen sie eben durch diesen Komparativ unausgesprochenermaßen eine „eximierte" Hofjudenschicht gegenüberstellt, so erklärt das in einem gewissen Grade, wie es gekommen ist, daß aus dem einen gemeinsamen Stamm der alteingesessenen hessischen Judenschaft, durch natürliche Entfaltung wie durch staatspolitische Lenkung, zwei so weit auseinanderstrebende Äste, wie sie Volks- und Hofkunst repräsentieren, erwachsen konnten: zugleich aber schärft es die Empfindung dafür, wie stark und unverdorben der Wuchs gewesen sein muß, der ohne auseinanderzubrechen, sich soweit teilen konnte. Die Einzelbeschreibung wird manche der Fäden aufzeigen, die zwischen der Residenz und dem Lande hin- und herliefen; daß sie liefen hat seinen Grund in den für beide Teile gemeinsamen Voraussetzungen: in ihrer ungebrochenen jüdischen Verbundenheit und in ihrer Jahrhunderle alten Verwachsenheit mit der hessischen Landschaft. Residenz und Land sind die Pole des staatlichen und kulturellen Lebens der Juden in Hessen gewesen, nicht aber auch die Pole ihres kulllichen und geistigen! In diesem Kraftfeld sind die Spannungen geradezu vertauscht: da ist die Landstadt mit ihrer Strenge und Un-höfisch-keit, mit ihrer Dichte und Natürlichkeit der Residenz, zumal dieser, die eine Festung war und Juden nicht zu herbergen brauchte, bei weitem überlegen. So stehen von je die hessischen Klein- und Landstädte in Leiden und Taten selbständig neben Kassel: Wolfhagen und Kirchhain, ja in gewisser Weise selbst das nichthessische Fulda und Hanau. Und so ist es von echt symbolischer Bedeutung, daß sich die Juden Hessens neben Kassel noch einen zweiten Brennpunkt ihrer Geschichte geschaffen haben, Witzenhausen, den Silz ihrer Lehranstalt und des Landrabbinats. Damit berühre ich das Geschichtliche. Die Geschichte der Juden in Hessen geht weit ins hohe Mittelalter zurück, die frühesten Nachrichten sind hier, wie so oft, solche über ihre Verfolgungen. Die Orte Münzenberg, Wolfhagen, Ziegenhain, Fulda, sie alle erscheinen in den Märtyreraklen der jüdischen Vergangenheit. Münzenberg erstmals 1188. Wolfhagen und wohl auch Ziegenhain, dessen Graf Johann um i3:>o an Juden zu Frankfurt verschuldet war, i:i35, Fulda, das durch seine Verfolgung Kaiser Friedrich II. auf den Plan rief, ia36, fünf Jahre vor der Frankfurter Judenschlachl. Die Beschuldigung ging ums Blut, die Plünderung ums Gut, aber die Verleumdungen waren so haltlos, daß sich noch Karl V. i54A zum Segen 4

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