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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 667

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel
Date
1928-02-01
Page
667 (sequence 6)
Language
German
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Klage gegen die Zelt von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel. Er wird mich schauen lassen die Zier meiner Begehrnis. Vor sein Angesicht rufe ich meinen Lieben, meinen gehorsamen. Dann werde ich meinem Schöpfer ein Liebeslied singen, ertönen lasse ich ihm das Lied meiner Sehnsucht mein Noch-Sein hin. Ihm bringe ich mein Geschenk dar und bereite meine Gabe zu bringen. In ihr ist meine Seele an meinen Heiligen gebunden, in ihr mein Gefühl und dort mein Auge und Herz. Besser als ein Stier sei mein Lob Yor meinem Gott, mein Gesang und meine Rede. Schauen lasse er mich die Herrlichkeit Zions und ihre Schönheit in königlichem Glänze und dort der schirmende Cherub. Zusammen werden sie beide sein auf Zions Gipfel, zwei Lichter, Davids Sohn und der Thisbite, so Und nicht wird Feind und Schmach in Ewigkeit sein und nicht der Araber allezeit höhnen. Um den Knaben habe ich gebetet zu Gott nach der Silben Maß und Gewicht. Ihn retten, ihn leiten, ihn reiten lassen möge Gott auf leichter Wolke. Ich erhebe meinen Kelch zu Gott, meinem Wundertäter, zu meinem Erbarmer, meiner Zuflucht, meinem Befreier, und zu meinem Schöpfer erhebe ich meinen Kelch. Meinen Sproß, den Sohn, der mich stärkt, möge er hinausführen ins Freie, damit er mir gewähre meine Gnade, meinen Sohn zu schauen. Du mein Teil, Geliebter meines Schoßes, Zier meiner Begehrnis, wandle meine Finsternis zu Licht, zu Tag die Nacht. Wohlauf, reite auf der Wolke, richte dich dem Vater entgegen, und du wirst ein tüchtiger Sohn. Nachbemerkung. Es ist eine bisher weder in der Geschichte des Judentums noch in der Geschichte der Renaissance festgestellte Tatsache, daß der größte Philosoph der Renaissance (Giordano Bruno gehört schon dem Frühbarock an) ein Jude gewesen ist. Es ist Jehuda Abrabanel, in der Philosophiegeschichte Leone Ebreo genannt, der Sohn des letzten großen Bibelkommentators Isaak Abrabanel. Sein einzig erhaltenes philosophisches Werk, die „Dialoghi d'Amore" sind seit dem Jahre 1607 nicht wieder gedruckt worden und obwohl sie im 16. Jahrhundert in aller Hände waren und geradezu als Modephilosophie die Zeit beherrschten, sind sie derart in Vergessenheit geraten, daß man kaum mehr als den Namen Jehuda- Leones in den Compendien findet. Und doch ist der jüdische Renaissance-Philosoph, dessen Leben etwa zwischen die Jahre i46o und i52Ö fällt, dessen Werk um das Jahr i5o2 in Genua und Neapel entstand, an metaphysischer Tiefe Marsilio Ficino überlegen, der den neuen Piatonismus Italiens als erster systematisierte, an Originalität der Gedanken dem großen Pico della Mirandola, durch dessen Kreis er hindurchgegangen ist und auf dessen Anregung er ein (verschollenes) Werk „über die Harmonie des Himmels" geschrieben hat. Die ,JDialoghi d'Amore" (die in einer Neuansgabe von mir in kürzester Frist als dritter Band der Bibliotheca Spinozana bei Winter in Heidelberg erscheinen) stellen 43' 667

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