Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 668 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel. den umfassendsten und erfolgreichsten Versuch der italienischen Renaissance dar, das Lebensgefühl der Zeit auf der' Grundlage des Piatonismus zum metaphysischen System zu gestalten. Daß diese Philosophie (die in der averroistischen Lehre des allumfassenden Intellectus agens die Alleinheit Spinozas, in der Lehre des allem Sein zugrunde liegenden appetito volontario den Voluntarismus Schopenhauers vorausnimmt) die Welt sotto spetie di hello betrachtet und Gott als den architettore del mondo, als den sommo opefice begreift, begründet eine gegenseitige Durchdringung von Metaphysik und Ästhetik, wie sie der Zeit angemessen war, und erklärt es, daß das Buch im Cinquecento mit ungezählten Auflagen in den Händen aller Künstler war. Cervantes und Spinoza waren freilich für lange seine letzten Leser. Jehudas Schicksal war das Judenschicksal jener Vertriebenen, denen das Alhambra- Dekret von i4o,3 die Heimat genommen. Er hat, in der Klage gegen dieses Schicksal, ein Lied gesungen ^Ö?Pt b$ HSI^fl) das ergreifend über die Zeiten zu uns klingt. Der Übersetzung braucht wohl keine ausführliche Erläuterung angefügt au werden. Bemerkt sei nur, daß der König in Vers 25 Ferdinand der Katholische ist. daß Vers 3n sich auf eine Verschwörung des portugiesischen Granden gegen Joäo II. bezieht, in die Isaak Abrabanel verwickelt wurde, daß mit Vers 38 Manoel der Große gemeint ist, daß Vers 79 wohl auf den Gran Capitan Gonzalo Fernandez de Cordoba, den Eroberer Neapels, geht, daß mit Vers o3 die i3 Middoth des Rabbi Ismael bedeutet sind und daß Vers 120 wohl auf die „Dialoghi d'Amore" anspielt. Das Gedicht ist im „Meliza"-Stil der Zeit gehalten, der Bibelzitate wie Perlen zur Kette zusammenreiht und ihnen in der Einfügung in neuen Zusammenhang einen neuen Glanz zu leihen sucht. Ganz kann darum die Poesie solcher Gedichte in Zitaten nur der würdigen, dem in jedem Verse das Bibelwort aufleuchtet. Zugleich liegt in solchem Kunststil die Schwierigkeit des Verständnisses und der Übertragung, zumal bei einem noch ungesicherten Text, der auf ein mangelhaft überliefertes Manuskript zurückgeht. Ich habe bei der Textgestaltung und Übertragung die Hilf e der Herren Carl Cohen-Frankfurt, weü. Prof. N. Porges, Dr. J. Sonne-Florenz und Rabbiner Dr. Cassuto-Florenz benutzen dürfen; vor allem aber bin ich in Übersetzung und Verständnis verpflichte! der lebendigen Kenntnis der hebräischen Sprache von Frau Dr. Fanny Schargorodskaja. 668