Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 665

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel
Date
1928-02-01
Page
665 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895474-2898457--02508-2898612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jchuda AJbrabanel. Und der Kranich verwandeil sich in einen Igel und die Turteltaube ist zum Schakal und die Taube zum Raben geworden. Ich verabscheue die Paläste der Könige und mich verlangt, in der Wüste Arabiens zu wohnen. Mein Sohn, der Bruch deiner Verbannung zerbricht mich, sie zermalmJ mich und legt mir Schlingen ringsum. Furcht und Erschütterung tut sit* meinem Herzen an, meinen Gedanken und meinen Gebeinen Fäulnis. Ich höre deine Mutter weinen Tag für Tag, wenn sie nach dir ruft: „Geliebter meines Herzens, mein Junge! Wer doch hat dich von meinem Schöße gestohlen und wer dich zum Verlassenen gemacht, Frucht meines Leibes?' Als ich nicht mehr die Kraft hatte, es zu ertragen, und nicht, meinen Kummer im Innern zu bergen, "Verließ ich sie und ging hin zu dienen meinem Könige, den Gott, mir gab zum Wohltäter. <t So wanderte ich und fand nicht Ruhe und wohnte unter Edom inmitten des Volkes des Scheiterhaufens. Und nicht fand ich Heilung für meine Wunde. Wer wird gerade machen die Zeit, die mich irreführt und erniedrigt? Zuwider sind mir die mühseligen Tage und Nächte. Lieber als sie, o. wäre mir der Tod. Das Leben wurde mir schwer und die Tage lasten wie Meeressand auf meinen Schultern und Rücken. Was habe ich von meinem Leben voll Gram? Mich hat erreicht mein bestimmtes Ende. Der verbitterten Seele ist Leben der Tod, und habe ich noch viel, mir war auch das wenige zu viel. Was soll ich noch harren vieler Tage und Jahre, Gutes zu sehen, und ein wütender Bär lauert auf mich. Was der Tag mir bringt, sind Pfeile, ihr Bogen ist in der Höhe des Himmels, die Zeit ist mein Schütze und mein Schleuderer. Ihnen bin ich zum Ziel gestellt und sie umschwirren meinen Polkreis. Wiederum möchte ich zu meinem Einzigen reden, daß er nicht mehr mich betrübt. 9« Mein Erstgeborener, wende dein Herz zurück, wisse, daß du ein Sohn von Weisen bist, höchster Weisen, prophetengleichen. Die Weisheit ist dir Erbe, verliere doch nicht mehr die Tage der Kindheit, mein Liebes. Sieh jetzt, mein Sohn, begehre zu lernen, die Schrift zu lesen und mein Schreiben zu verstehen, Mischna zu wiederholen und Talmud zu lernen nach den dreizehn Regeln und erben wirst du mit den Lernenden. Wie kann ich nur ertragen, daß er übertrat? Das ist meine Krankheil, mein Fieberbrand, mein Schwert. Es zerreißt wie das Messer de> Söldlings den Verschluß meines Herzens und nicht wie das Messer des IWtschers. Es bringt Welke in mein Herz, es sticht mir ein Schwert in Leib und Eingeweide. Wem denn soll ich übergeben di* Fülle meiner Einsicht, wen soll ich tränken mit dem Most meiner Kelter und Kufe? 43 665

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.