Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 664 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895467-2895474-2898457--02507-2898611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Klage gegen die Zeit von dem Weisen Don Jehuda Abrabanel. kensnetz, aus der Flamme sandte ich ihn in die Feuersbrunst. Ich hoffe auf ihn, aber meine Hoffnung zieht sich hin und hin. Warum zögerst du, mein geliebtes Junges? Warum bedrückst du das Herz deines Erzeugers und bist, der mir den Pfeil in die Nieren trifft? Mit Wolken finsterst du das Sonnenlicht und machst seinen Aufgang zum Abend vor meinen Augen. Der Mond verfinstert sich immer vor mir und mein Stern verbirgt sich im Gewölk. Und nicht leuchtet die Glut meiner Sonne in meinen Augen und nicht scheint sie in die Luke meines Herzens, so Nicht blühet mir meine Saronslilie und nicht fällt auf mein Gras der Regenschauer. Du raubst den Schlaf meiner Augen, wenn ich dein gedenke; nicht weiß ich die Zeit des Auf Stehens und des Schlafengehens. Nicht schmecke ich meine Speise und Süßes ist bitter meinem Gaumen und der Giftbecher mir angenehm. Wie Achat ist mir Kuchengebäck und weinend verzehre ich mein trocken Brot. Mit Tränen mische ich mein Wasser und trinke es, und nie kommt der Saft der Traube in meinen Mund. Wasser trinkend und Wanderer bin ich, so daß man als Rechabiten mich dachte. Wenn ich deine Rückkehr erträume und sehe dein Bild mit den Augen meines Gedankens, Fiel Liebliches mir zu teil und es bekleidet sich mein Gesicht mit goldleuchtendem Aussehen, Und ich schlafe und süß war mir mein Schlaf, ich wache auf, satt in Wüle und Wollen. Ich trinke und mein Wasser ist mir süß, und süß mir in deiner Gesellschaft die Erdscholle. 60 Wenn ich deiner Verbannung dann gedenke, wird heiß wie Feuer mein Herz und Sonnenglut schlägt mich, Und ich werde wie ein Bestürzter und Betäubter, niedrig die Gestalt, kürzer Länge und Breite. Im Deingedenken liegt mir Freude und Gram, mein Balsam du und meinem Drangsal und Feinde gesellt. Dein Bild ist meinem Herzen eingeritzt, deine Ferne meinem Herzen eingeschnitten, Und mehr als deine Gestalt mich fröhlich macht, hadert wider mich dein Umherirren. Die Trennung von dir hat meinen Rat töricht gemacht, deine Verbannung versperrt und krümmt meine Bahn. Um dich hat sich meiner Seele Hoheit gebeugt, um dich mein Stolz sich erniedrigt, So daß Sykomoren höher sind als Cypressen und das Moos emporragt über Cedern, So daß die Fledermaus sich erhebt über den Sperber und über meines Adlers Flügel die Fliege fliegt. Wie Werg sind schwach meine Organe, und übermächtig dem Löwen ward das Lamm. 70 Zuwider ist mir das Lied und ich zerbrach meine Laute und hing meine Harfe an die Weiden, Und verkehrte meinen Gesang in Wehklage und meine Flöte in meinem Schmerz wie Grabesstimme, 664