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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 657

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1928-02-01
Page
657 (sequence 5)
Language
German
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Prinzipielle Bemerkungen zu fiktiven Zionismus auseinandergesetzt haben. Es hätte uns gefreut, wenn sie aus unserem Buche das hervorgehoben halten, was an Bedeutting für liberale und menschheilliche Bestrebungen in allen Völkern in diesem Buche liegt. Das Ziel des Zionismus habe ich in dem vorliegenden Buche mit den Worten Gustav Landauers wiedergegeben: „daß die Juden unter der Führung geistiger und starker Naturen das besondere Wesen, das sie, wie jede Nation, in Jahrtausenden aasgebildet haben, rein und schöpferisch gestalten, daß sie die freie Selbständigkeit und Eignung ihrer Seelen im Kampfe um das Heilige vom Wust des Unverstandenen und äußerlich mechanischer Gewohnheit retten und mit drängendem Leben erfüllen und sich und ihr Wesen der entstehenden Menschheit schenken, der das Judentum so wenig fehlen darf wie irgend eine andere Stufe und Schattierung des Menschlichen". In dieser Weise hoffen wir alle, wo wir auch immer sein mögen, in Palästina oder in irgend einem Lande der von Menschen bewohnten Erde, in dem gleichen Sinne, wie es Wilhelm Michel meint, an allgemeinen menschlichen Bestrebungen mit allen unseren Mitbürgern und Mitmenschen teilzunehmen. Robert Weltsch schreibt: Ich danke Ihnen für Ihr loyales Entgegenkommen, daß Sie mir zu den Bemerkungen meines Freundes Hans Kohn noch einige Ergänzungen gestatten. Ich will Ihre Freundlichkeit nicht mißbrauchen und werde mich, da eine umfassende Behandlung des Gegenstandes ja schon aus Raumgründen unmöglich einer zionistischen Schrift ist, auf zwei Punkte beschränken, in dem peinlichen Bewußtsein, daß die Kürze des Ausdrucks und die Ungewohntheit der Aussprache die Gefahr von Mißverständnissen naherückt. Kohn hat schon darauf hingewiesen, daß Michel unsre Weitimg der Assimilation unrichtig einschätzt. Er mißversteht aber auch unsern Begriff des Nationalismus. Wir verstehen unter nationaler (nicht „nationalistischer") Selbstbehauptung die Besinnung auf unsern Ursprung, unser Wesen und die historischen, geistigen und schicksalhaften Zusammenhänge, — verbunden mit dem Bewußtsein der Menschenwürde, diesem Geschenk der Assimilation. Eine solche Orientierung, Selbstentdeckung tut gerade uns Juden not, die durch die Plötzlichkeit der Entwicklung des letzten Jahrhunderts die Kontinuität und damit ihre Selbstsicherheit zum großen Teil eingebüßt haben. Nach unsrer Meinung gibt erst diese Art des jüdischen Nationalismus uns eine innere Unabhängigkeit und einen freien Blick für die Welt. Was Michel auf S. 538 als ein „Leben im Wartesaal" ganz treffend schildert, ist nach unserer Meinung gerade die Charakteristik des assimilatorischen Juden, der — teilweise natürlich unbewußt — durch Rücksichtnahme auf äußere Faktoren entscheidend bestimmt wird, so daß eine rückhaltlose Entspannimg seines Wesens" verhindert wird. Dies hat Achad Kaam „Knechtschaft in der Freiheit" genannt, d. h. innere Knechtschaft bei äußerer Freiheit Michel rechtfertigt diese jüdische Haltung nicht nur explicite, sondern auch implicite: denn wenn die um ihre Existenz in einer Übergangszeit kämpfenden Juden wissen müs- 657

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