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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 655

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1928-02-01
Page
655 (sequence 3)
Language
German
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Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift Unser Buch war vor allem eine innerzionistische Auseinandersetzung. Es gilt der Durchsetzung der Ideen „der Humanität, des Friedens und der Menschheit", für die auch Wilhelm Michel eintritt, im Rahmen des jüdischen Volkes, das es nun einmal gibt, und innerhalb der Zionistischen Bewegung, die das Ergebnis eines zweitausendjährigen Lebens- und Geschichtsprozesses des jüdischen Volkes ist. Auch wir glauben daran, daß „nur dem Liberalismus und den großen Gedanken, die ihn wenn auch nicht immer vollwertig vertreten, zugrundeliegen, es zu danken ist, daß die Dämonie der Trennungen samt ihren wölfischen Leidenschaften die Menschheit nicht schon längst zersprengt hat," und auch wir treten für diesen Liberalismus ein. Jedem obliegt es, innerhalb seines Volkes „der Dämonie nationalistischer Selbstbehauptung" ein Halt zuzurufen. Wir freuen uns, daß Michel es innerhalb seines Volkes tut. Wir tun es innerhalb unseres. Dies hat Herr Dr. Jacob richtig erkannt. Er irrt sich aber, wenn er glaubt, daß es leicht ist, für einen Bi-Nationalismus deswegen einzutreten, weil heute Palästina im Grunde eine englische Kolonie ist. Die litauischen Nationalisten z. B. haben ihre Ideale eines litauischen Nationalstaates auch zu der Zeit bewahrt, als Litauen in einem viel ärgeren Sinne eine russische Kolonie war. Denn die englische Verwaltung in Palästina erkennt die jüdischen Nationalbestrebungen an und fördert sie und die Entfaltung der hebräischen Sprache. Wir wollen, ohne Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand, in Palästina eine Form des Zusammenlebens zweier Völker auf einem Territorium verwirklichen, die mithelfen soll, dieses, nicht nur für Palästina, dringende Problem der zwischenvolklichen Ordnung zu lösen. Die Ausführungen Dr. Jacobs, mit denen wir sonst in vielen Teilen überemstimmen, gehen von der Voraussetzung aus, daß für die außerhalb Palästinas beheimateten Juden ein palästinensisches Bürgertum geplant sei. Dies ist eine Vorstellung, die so wenig mit der Tatsächlichkeit und mit unseren Wünschen übereinstimmt und die so oft widerlegt wurde, daß es beinahe überflüssig erscheint, auf sie zurückzukommen. Da wir sie aber auch bei Wilhelm Michel finden, so sei hier nur kurz erwähnt, daß Palästina nur für diejenigen Juden, die dort wohnen werden, und das wird immer nur eine Minderheit des jüdischen Volkes sein, das Vaterland und das politische Zentrum ihrer Betätigung sein wird. Für die Juden außerhalb Palästinas wird ihr Vaterland auch weiterhin das Land bleiben, in dem sie leben und dem sie ihre Kräfte weihen. Palästina wird für sie ein kulturelles Zentrum sein, von dem aus ihr Judentum Anregung und Belebung erfahren wird. Wir glauben, daß nur auf diese Weise der Bestand und die schöpferische Entfaltung des Judentums gesichert werden kann. Die Zionistische Bewegung, die weiter reicht als die zionistische Partei, hat schon zu einem Wiedererwachen und zu einer Stärkung des jüdischen Bewußtseins geführt. Man kann sich daran stoßen, wie Dr. Jacob es tut, daß dies nur dem Zionismus zugeschrieben wird. Der Zionismus ist aber in diesem Sinn nur der Vortrupp und der emporragende Teil einer allgemeinen Welle, die ungefähr seit vierzig Jahren über das Judentum hinweggeht und die es zu einem neuen Bewußtsein seiner selbst geführt hat. Die dem Judentum bereits verlorene Jugend in Mittel- und Westeuropa hat unter dem 655

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