Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 654 (sequence 2)
- Language
- German
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Hans Kohn' die deutschen Juden eine Frage innervolklicher Ordnung. Für die Nationaljuden ist das "Vorbild der Lebensgestaltung für das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden die osteuropäische und palästinische Form einer nationalkulturellen Autonomie; für die deutschen Juden diejenige Form, wie sie in der Weimarer Verfassung und in den Verfassungen der westeuropäischen und amerikanischen Länder vorliegt. Die deutschen Juden bestreiten nicht, daß für Osteuropa und Palästina die Existenz der Juden als einer völkerrechtlich gesicherten Minorität den besonderen politischen und kulturellen Verhältnissen der dortigen jüdischen und nicht-jüdischen Welt entspricht; sie betonen aber aufs schärfste, daß für sie als deutsche Juden eine solche Lebensgestaltung seelische und politische Vergewaltigung bedeutet. Zwar ist der Gedanke an Minderheitsrechte in Deutschland offiziell aufgegeben, aber es gibt trotzdem noch eine ganze Reihe von Anhängern dieses Gedankens, der ja schließlich in der Konsequenz der national jüdischen Voraussetzung liegt. Das zeigt. sich auch in Österreich, wo noch in allerjüngster Zeit die Verleihung von Minderheitsrechten an die daselbst lebenden Juden grundsätzlich und nachdrücklich gefordert wird. Das Bekenntnis zum Nationaljudentum hat bei uns verfassungsrechtlich heute keine Bedeutung. Es gibt daher hohe deutsche Beamte, die National juden sind. Ob solches auch noch möglich wäre, wenn die deutschen Juden verfassungsrechtlich als nationalkulturelle Minorität abgesondert sind, erscheint mehr als fraglich. — Die deutschen Juden empfinden das vom Herausgeber der Jüdischen Rundschau gebrauchte Wort von der „engen Interessengemeinschaft" der Juden mit den Deutschen als höchst unangemessen, ja als beschämend kommerziell gedacht für ihr Zugehörigkeitsgefühl zum deutschen Volke. Interessen kann man haben oder nicht haben; sie sind eine Sache der Berechnung. Die Schicksalsverbundenheit der deutschen Juden mit dem deutschen Volke liegt in einer allen Interessen weit überlegenen Sphäre. Das Kulturzentrum der deutschen Juden liegt in Deutschand, das der Nationaljuden in Palästina. Es stände schlecht um das religiöse Bewußtsein der deutschen Juden, das eine Zeit lang wohl durch Aufklärung und Naturalismus gelähmt werden konnte, wenn es zu seiner Erhaltung eines „jüdischen Kulturzentrums" bedürfte. Abgesehen davon, daß es ein solches einstweilen noch gar nicht gibt: selbst wenn es einmal vorhanden wäre, muß es deshalb schon mit religiösem und biblischem Geiste erfüllt sein? Eine moderne Universität, auch wenn sie auf heiligem Boden steht, wer möchte sie als „Lehrhaus" ansprechen? Zion ist den deutschen Juden eine religiöse Kategorie. Sie werden um so freudiger mithelfen, entrechteten Glaubensbrüdern in Palästina eine völkerrechtlich gesicherte Heimstätte zu schaffen, je mehr die Aufbauarbeit sich freihält von einer Propaganda für jüdischen Nationalismus. Die nationale Heimstätte des deutschen Juden ist Deutschland. — Hans Kohn schreibt: Da es uns und wohl auch unsern Kritikern nicht, um Kritik und Gegenkritik, sondern um Verständnis und Verständigung geht, will ich zu der Besprechung unseres Buches (Hans Kohn und Robert Weltsch „Zionistische Politik") durch die Herren Dr. Jacob und W. Michel im „Morgen" Nr. 5 folgendes bemerken: 654