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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 648

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Universalismus und Toleranz im Judentum [Rezension]
Date
1928-02-01
Page
648 (sequence 9)
Language
German
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I. Heinemann Systems. Man hat von der „Entschränkung" des Judentums durch Paulus gesprochen, weil er den Heiden Sabbat und Beschneidung erließ — und ganz außer Augen gelassen, daß seine Rechte mindestens so viel zutat wie die Linke abtrug, äaß er nicht nur an Stelle der jüdischen Feste andere setzte, sondern Glaubenslehren, z. T. hellenischen Ursprungs, zu den schlichten Grundlehren des Judentums hinzufügte, also, wenn man von „Entschränkung" reden will, insbesondere die dogmatischen Forderungen als eine neue und sehr bedeutende „Einschränkung" bezeichnet werden müssen (Guttmann S. 206). Gerade auf die allgemeine Anerkennung dieser neuen Lehren hat aber das Christentum bekanntlich den größten Wert gelegt, während das Judentum die Befolgung der von den Aposteln ausgeschiedenen Gebote von den Außenstehenden nie gefordert hatte. Es zieht daher den Kreis derer, die es „dulden" kann, keineswegs enger, sondern erheblich weiter als das Christentum. Wenn ein christlicher Theologe erklärt, für das Judentum sei die heidnische Menge bis auf ganz wenige fromme Menschen eine massa perditionis, so weist Guttmann S. 3o4f. mit Recht darauf hin, daß das Christentum die Anforderungen, von denen das Judentum die Seligkeit abhängig macht, sämtlich anerkannt und durch etliche andere vermehrt hat, also die „dem Verderben geweihte Masse", wenn man den nicht vom Judentum geprägten Ausdruck annehmen will, nach christlicher Auffassung nicht geringer, sondern erheblich größer ist, als nach jüdischer; er tut das, nicht um dem Christentum daraus einen Vorwurf zu machen — „Intoleranz" in dem uns vorschwebenden Sinne ist nun einmal die Kehrseite jedes Universalismus —sondern um den Gegner, der einen solchen Vorwurf gegen das Judentum erhebt, ein wenig an das ihm augenblicklich nicht gegenwärtige Gleichnis vom Splitter und vom Balken zu erinnern. Den Gegensatz zwischen Judentum und Christentum in ihrem. Verhältnis zur Heidenwelt bringt Guttmann auf sehr scharfe, klare Formeln. Beide lehren einen Universalismus; aber den „ethischen Universalismus" der Propheten ersetzt die Tochterreligion durch den „Kirchenuniversalismus" der Apostel, der die Anerkennung geschichtlicher und namentlich vermeintlich geschichtlicher Vorgänge geradezu zur Voraussetzung der vollen Seligkeit macht Die Frage, wie Paulus zu dieser überaus folgenschweren Abweichung kam (die namentlich seit der Entdeckung neuer Erdteile mit ihrer von der Apostelbotschaft nicht erreichten Bevölkerung zu schweren Gewissensnöten für denkende Christen führte), läßt Guttmann offen; aber die Antwort ergibt sich aus seinen Sammlungen fast von selbst Er hebt mit Recht hervor, daß 648

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