Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Universalismus und Toleranz im Judentum [Rezension]
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 642 (sequence 3)
- Language
- German
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I. Heinemann Söhne Abrahams, wohl aber als „Söhne Noahs", des zweiten Stammvaters der Menschheit, an bestimmte, vom Talmud scharf umrissene Lehren und Sittengesetze gebunden. Die Anschauungen des Talmud über Proselyten, „Gottes^ fürchtige" und reine Heiden werden nun erörtert, aus grundsätzlichen Erwägungen beleuchtet und gegen tendenziöse Mißverständnisse klargestellt: hierauf wird ausführlich einzugehen sein. Den Abschluß bilden kritische Erörterungen der Methoden, die zur Verkennung der jüdischen Anschauung geführt haben. Ein sehr sorgfältiges Stellen- und Sachverzeichnis ist beigegeben. Besonders dankenswert ist, daß Guttmann ein geradezu überwältigendes Material, die Frucht jahrzehntelangen Sammelfleißes, in durchaus gemeinverstandlicher Form zu entfalten weiß: hebräische Belege werden nur in den Anmerkungen angeführt, griechische stets übersetzt Und wenn die leider gebotene Ausführlichkeit einzelner apologetischer Abschnitte das Interesse des Fernerstehenden nicht voll in Anspruch nehmen kann, so ist doch der Kern des Buches für jedermann, und zwar durchaus nicht nur für den Abwehrkampf, sondern auch für die eigene Anschauung vom Judentum, von hoher Bedeutung. Erst jüngst hat ein dem Judentum zugewandter Nichtjude, Aime Palliere, ausgesprochen, wie sehr die jüdische Lehre von den Gottesfürchtigen allgemeine Beachtung verdient, und wie wenig vertraut sie den meisten seiner jüdischen und gar nichtjüdischen Freunde war. Sie ist noch niemals mit solcher Sachkunde und in solcher Tiefe erfaßt worden wie in Guttmanns Buch. Um seine Darstellungen zu beleuchten, bedarf es freilich zunächst einer genaueren Betrachtung der beiden Paare von Schlagwörtern, mit denen wir oft werden arbeiten müssen: Universalismus und Partikularismus, Toleranz und Intoleranz. Der nicht tiefer nachdenkende Leser ist sehr leicht geneigt, sich für Universalismus und Toleranz zu begeistern und beide Begriffe sehr nahe aneinander zu rücken, ja, zu glauben, daß aus dem Universalismus die wahre Toleranz sich ergibt Das ist solange richtig, wie man im Partikularismus nur eine Enge des Blicks sieht, die über die eigene Religion oder Konfession nicht hinausreicht, im Universalismus also ihre Überwindung. Ganz anders liegen die Dinge, wenn man unter religiösem Universalismus, wie es meist und mit vollem Recht geschieht, den Glauben an die weltumfassende Bedeutung und die Allgemeingültigkeit des eigenen Gottesbegriffes versteht Eine solche Anschauung tritt mit der Forderung der Duldung des 642