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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 618

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
618 (sequence 15)
Language
German
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B. Jacob nicht wieder vorkommt: „Laß mich doch schlingen von dem Roten, dem Roten da!" Nach den verwandten Dialekten bedeutet es: Den Mund voll stopfen, den Hals (des Kamels) voll schütten. Es ist das einzige Wort, das wir aus der Sprache Edoms kennen. Zweideutig ist seine Antwort: „Ich muß ja doch sterben, was soll mir die Erstgeburt!" Ist das nun ein Ja oder ein Nein? Daher läßt ihn Jakob schwören, da er ihm mit Recht nicht traut. „Und er aß — und trank — und stand auf — und ging. So verachtete ein Esau die Erstgeburt" Wir sehen ordentlich, wie der plumpe Gesell, voll gegessen, sich den Mund wischt und davon trappt. Niemand wird bei den Naturlauten unbewegt bleiben: „Als Esau die Worte seines Vaters vernahm, da hob er ein gar lautes und bitteres Wehklagen an und er sprach zu seinem Vater : Vater segne auch mich . . . hast du für mich keinen Segen übrig? . . . O Vater, hast Du nur einen Segen? . . . Vater, segne auch mich! Und Esau erhob seine Stimme und weinte." Diesen Aufschrei und diese Tränen wird Jakob, so sagt der Midrasch, werden seine Nachkommen noch nach mehr als tausend Jahren büßen. Der Gott der Gerechtigkeit läßt keine gerechte Klage, keine erpreßte Träne ungerächt Aber nun dürfen wir fragen: wie durfte Esau sich noch als Erstgeborenen bezeichnen, da er doch diesen Vorrang dem Jakob unter Eid verkauft hatte? Also ist er eigentlich der Betrüger! Esau ist der Typus jener Menschen, die beides haben möchten, diese und jene Welt, Linsengericht und Erstgeburt Wenn das lockende Linsengericht vor ihnen steht, dann geben sie keinen Deut für den ganzen Himmel, sind sie aber satt geworden, dann fällt ihnen die Erstgeburt wieder ein und sie geraten in Verzweiflung, wenn sie ihnen entgehen soll Als er gesehen hat, daß der Vater den Bruder mit einem Segen in die Fremde entlassen hat, damit er nicht ein kanaanitisches Weib nehme, geht er auch hin — allerdings nicht sehr weit, und mit feinem Spott gibt die Schrift seine lange gewundene Überlegung durch einen ungewöhnlich umständlichen Satz wieder -- und nimmt noch eine andere Frau aus etwas besserer Familie--aber die alten heidnischen, die den Eltern so viel Kummer machen, behält er. Das sind die Menschen, die die Forderungen der Religion. ganz gern gelten lassen wollen, wenn sie nur an ihrem alten Leben nichts zu ändern brauchen. Vor allem aber spricht er ein Wort, dessen Grausigkeit man von den Anklägern Jakobs niemals gemißbilligt findet: „bald nahen die Tage der Trauer um den Vater, dann will ich Jakob meinen Bruder totschlagen!" Essen und Totschlagen — welcher Beruf hätte besser für ihn gepaßt als: „Von deinem Schwerte sollst du leben'/* 618

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