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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 619

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
619 (sequence 16)
Language
German
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Des Vaters Segen Und doch ist dieser Wilde kein schlechter Sohn und ein gefühlvoller Mensch. Er will den Bruder totschlagen — aber die Trauer um den Vater will er doch erst abwarten. Wahrscheinlich hat es im Edomitischen auch ein Wort für „Gemüt" gegeben. Diese ganze Geschichte hat sicherlich noch eine weitergehende Absicht Jakob und Esau sind die Stammväter von Israel und Edom. Das Verhältnis der Brüder solldie Beziehungen der beiden Völker spiegeln und eine ernste Mahnung geben. Durch alle Zeiten waren die Edomiter die grimmigsten Feinde Israels, und viele Jahrhunderte wogte der Kampf um die Oberherrschaft. Das ist der völkerversöhnende Geist der Thora, daß sie beiden zuruft: eure Väter waren Brüder! Seht hier im Spiegel der Familie, was Bruderhaß anrichtet! Darum ruft sie dem Israeliten zu: „Du sollst den Edomiter nicht verabscheuen,. denn er ist dein Bruder!" Und als das Volk in Kanaan einziehen soll, wird es aufs strengste gemahnt, den Besitzstand der „Söhne Esaus" als gleichfalls gottverliehen zu respektieren, während die Propheten Edom oft genug Raubgier, Heimtücke und Schadenfreude vorwerfen müssen. Ja, wenn man will, mag man in den beiden Brüdern ewige Gegensätze sehen und den wahrhaft prophetischen Geist der Erzählung bewundern. Die heidnische Gottheit, verblendete den Menschen, den sie verderben wollte, der Gott der Bibel macht ihn blind, um ihn nicht zu verderben und sehend schuldig werden zu lassen. Aber Isaak läßt sich belehren. Als iho Rebekka an die Zukunft erinnert, läßt er Jakob nochmals rufen, um ihn in die Fremde zu entlassen, und jetzt erteilt er ihm den wahren Erstgeburtssegen des Geschlechts, während der frühere nur den Personen gegolten und darum von dem Lande der Verheißung und den Nachkommen geschwiegen hatte. „Gott der Allmächtige (zum ersten Male wieder der Gottesname, unter dem der Bund mit Abraham geschlossen worden war) segne dich und mache dich fruchtbar und zahlreich und werde zu einer Gemeinde von Völkern. Er gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinen Nachkommen, daß du das Land deines Aufenthaltes erbest, das Gott dem Abraham gegeben." Damit zeigt sich der gottgesegnete Mann zuletzt auch segnend als der wahre Sohn seines Vaters. Das erste Wort, das wir einst von ihm gehört hatten, war „Vater" gewesen, das erste, das der Vater erwiderte: „Gott". Die beiden letzten Worte, die wir von dem Sohne vernehmen, sind das Wort „Gott" und der Name des Vaters: Abraham. 40* 619

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