Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 616 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Tau des Himmels und Fettigkeiten der Erde und die Fülle von Korn und Most". Isaak ist aber deswegen so beglückt von dem Duft des Feldes, weil er selbst ein Mann des Feldes und ein Naturfreund ist Mit dem Wildbret sollte Esau ihm, der jetzt alt und blind in seinem Stuhle sitzt, etwas von dem Duft da draußen mitbringen. — „Modern" ist es auch, wenn derselbe Ausleger in diesen Erzählungen einen urwüchsigen kräftigen Humor durchklingen hört. Die Sage lache den dummen Esau aus, der seine ganze Zukunft um ein Linsengericht verkauft habe und juble über den klugen Jakob, in dem die Erzähler ihr eigenes Bild wieder erkennen. „Unsere" Empfindung nehme freilich an diesen Dingen Anstoß, aber Sittlichkeit und Religion hatten damals noch nicht den engen Bund geschlossen, den „wir" als selbstverständlich betrachten. Bei dem alten Hebräer müsse man in dieser Freude an Klugheit und List, Betrug und Lüge einen charakteristischen Zug seiner Anlage sehen, die sich — wie jedermann weiß — als eine höchst bedenkliche Mitgift bis auf die spätesten Nachkommen vererbt hat." Solche „Wissenschaft" wird dann die Quelle für populäre Darstellungen und maßgebend für die Urteile oder Vorurteile der Gebildeten! Damit sei denn dies Kapitel der Düfte geschlossen. Das Ganze ist eine Tragödie der Irrungen. Nicht bloß Isaak, alle sind sie kurzsichtig und blind. Es könnte rühren und erheben, daß in dieser Familie der Segen des Vaters über alles geht Aber über sein Wesen und seine Wirkung sind sie in einem verhängnisvollen Aberglauben befangen. Sie glauben oder gebärden sich, als wenn der bloße Segen wirkungskräftig sei und unwiderruflich, selbst wenn er irrtümlich gegeben war. So dachte man im Heidentum, in dem das Segens- und Fluchwort ein von Absicht und Gesinnung unabhängiges reales Ding war und physisch-magische Gewalt hatte. An wen es kam, an dem haftete es und tat Wirkung. Aber nach geläuterter israelitischer Anschauung konnten selbst die Priester einen Segen über Menschen nur sprechen, „aber segnen werde ich sie" spricht Gott. Ein menschlicher Segen kann nur wünschen und beten, daß Gott ausführe. So beginnt ja auch Isaak selbst: „Gott gebe dir . . ." Er wollte Esau segnen und glaubte diesen vor sich zu haben, aber wenn er blind war, war es Gott? Und wenn er sich irrte, sollte dieser Irrtum für Gott maßgebend sein? Im Heidentum war dies allerdings die Meinung. Segen und Fluch waren ein Zauber, der Götter und Menschen band. Die Schrift kennt diesen Aberglauben, darum nennt sie einen „.grundlosen Fluch" einen verwehenden Hauch, oder Gott verhütet ihn und 616