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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 615

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
615 (sequence 12)
Language
German
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Des Vaters Segeu einziger Deutscher in einem Lazarett liege. Französische Flieger merkten es in sehr großer Höhe, wenn sie die deutschen Stellungen überflogen. Die Gazette meclicinale de Paris Nr. 267 vom 2 4- Juni 1915, die darüber berichtet, weiß diesen „eigenartigen Rassengestank" auch physiologisch zu begründen und schließt: „Üebrigens hat auch während des Friedens der Geruch der Deutschen denselben fötiden Charakter". (Julius Goldstein, Rasse und Politik, S. 33.) Da haben wir also glücklich auch einen foetor germanicus! Der jüdische stammt wahrscheinlich aus des alten Schudt „jüdischen Merkwürdigkeiten", und die letzte Quelle ist ein Schreibfehler oder eine boshafte Korrektur in einem alten römischen Geschichtsschreiber. Unser Ausleger hat ferner nicht beachtet, daß das Riechen keine Probe mehr sein kann, da sich Isaak bereits zufrieden gegeben, gegessen und getrunken hat, bevor er riecht. Aber das ganze Duft- und Luftgebäude zerrinnt vor einer sprachlichen Beoachtung, die allen diesen Erklärern entgangen ist Das hebräische Wort für Riechen (das übrigens zufällig genau denselben Stamm wie das deutsche hat) heißt nämlich nicht (aktiv) riechen im Sinne von riechen wollen, beriechen, mit der Nase einen Geruch feststellen wollen, sondern (passiv) ohne Zutun von einem Duft angezogen und affiziert werden, ihn wittern, empfinden und genießen. So „riecht" das Feuer das Werg, das Roß den Kampf. Nachdem Isaak sich an Speis und Trank erquickt hat, ruft er den Sohn heran, daß er (der Sohn) ihn (den Vater) küsse und dabei weht ihm der Duft der „köstlichen Gewänder" entgegen, die Rebekka dem Jakob angezogen hatte, und zu denen wahrscheinlich wohlriechende Kräuter in die Truhe gelegt waren, denn wir wissen, daß man auch Kleider parfümierte. Wenn der Ausleger witzig fragt, woher der rauhe Jäger sein eau de mille fleurs bezogen habe, vergißt er, daß er eine sorgsame Mutter hatte, die die Kleider („bei sich im Hause") verwahrte. Der Orientale ist viel empfindlicher für Wohlgerüche als wir gröberen Europäer. Dieses Riechen ist überhaupt eine sehr feine und geschickte Verumständung. Es ist eine sublimere Art des Essens und Trinkens und nicht so sehr die Mahlzeit als das Riechen ist es, das Isaak erquickt und seine „Seele" stärkt, daß sie segnen kann. Es ist ein Ersatz des Räucherwerks, das man, wie wir aus späterer Zeit wissen, und welche Sitte vielleicht schon hier angedeutet wird, nach der Mahlzeit hereinbrachte. Es war, wenn wir auch einmal modern und witzig sein dürfen, unsere Zigarre nach Tisch. „Ah — sagt Isaak, mit Lust einatmend — der Geruch meines Sohnes wie der Geruch des Feldes, das der Herr gesegnet hat", womit das Paradies gemeint ist Und so kann er denn gleich fortfahren: „So gebe dir Gott ein Paradies vom 615

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