Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 614 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Aber wie Rebekka in demselben Sinne wie Jakob beim Linsengericht recht hatte, so ist sie in demselben Sinne im Irrtum und schuldig. Sie glaubt, man könne und müsse Gottes Heilsplan mit menschlichen Listen nachhelfen, während sie sogar bei Isaak, wie sich nachher zeigt, mit Wahrheit und Gradheit weiter gekommen wäre. Die Lüge stammt aus dem Kleinglauben, dem mangelnden Vertrauen in Gott, der seine Pläne schon durchführen wird, und in das Bessere im Menschen. — Es wird angebracht sein, an dieser Stelle einmal in das exegetische Detail einzutreten, um zu zeigen, was gelehrte Verkehrtheit und Voreingenommenheit bei der Erklärung anrichten können. Vielleicht wird der Verdruß des Lesers über Spitzfindigkeiten bald der Heiterkeit Platz machen. Ein neuer ästhetisierender Ausleger des ersten Buches, der — ein zweideutiges Lob — für besonders modern gilt und berufen scheint, den Gebildeten unserer Tage das Verständnis des Alten Testaments geschmackvoll zu vermitteln (Herrn Gunkel), glaubt gefunden zu haben, daß in der Täuschungsszene zwei Quellen vermischt sind. Denn Isaak macht zwei Proben, um zu erfahren, wen er vor sich hat: er betastet Jakob und indem er ihn näher treten und den Vater küssen heißt, beriecht er ihn. Auf dieser Grundlage wird mit Zustimmung anderer gelehrter Kritiker ein ganzes quellenkritisches Gebäude aufgeführt und die Erzählung scharfsinnig in eine Tastquelle und eine Riechquelle zerlegt Aber unser kühner in solchen Perspektiven großer Führer geht noch weiter: „Auch der alte Isaak hat Hintergedanken: er sagt, er wolle küssen (was er gar nicht sagt!), in Wirklichkeit will er riechen. Auch in diesem Zuge wird ein Typus geschildert; es gibt Rassen- und Nationalgerüche, vergl. den foetor judaicus und den Niggergeruch." Aber törichter hätte der Verfasser es nicht anstellen können, um Typen und Rassen nach dem Geruch zu unterscheiden, denn es sind ja Brüder und sogar Zwillinge, von denen der Vater einen beriecht, um ihn von dem anderen zu unterscheiden. Wenn irgend drei Menschen zu derselben Rasse und demselben Geruch gehörten, waren es Isaak, Esau und Jakob. Es ist allerdings allbekannt, daß Völker, Stände, Gesellschaftsklassen, mit schlauem Instinkt Psychisches auf Physisches gründend, Abneigung durch die Begriffe schmutzig, dreckig, stinkend ausdrücken, wie: Sale boche, Saupreuß u. dergl. und daraus einen angeborenen üblen Geruch machen. So wollten während des Krieges französische Ärzte bei der Behandlung deutscher Verwundeter einen höchst unangenehmen charakteristischen Geruch bemerken, der ihnen in solchem Maße anhaftete, daß er sich geltend mache, wenn nur ein 614