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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 613

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
613 (sequence 10)
Language
German
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Des Vaters Segen Mutter. Während Isaak um des Wildbretes willen den Esau vorzieht, liebt sie den sanften und häuslichen Jakob. Als sie hört, daß der Vater vor seinem Tode den Älteren segnen will, setzt sie alles in Bewegung, den Segen dem von ihr geliebten Jüngeren zuzuwenden. Jakob selbst ist die Sache höchst zuwider. Er sträubt sich, er will vor dem Vater nicht als Betrüger dastehen und macht in aller Ehrfurcht der Mutter Einwendungen. Erst als sie erklärt, sie nehme alles auf sich: ,.Auf mich komme der Fluch, mein Sohn, höre auf meine Stimme, geh tue es!" gibt er nach. Aber jeder Schritt wird ihm schwer: „Und er ging — — und nahm — — und brachte es der Mutter." Die Erzählung ist ein warnendes Beispiel für den Konflikt, in den ein Kind gerät, wenn Vater und Mutter nicht Eines Sinnes sind, den Konflikt zwischen Wahrheit und Pietät, Gewissen und kindlichem Gehorsam. Sein Herz wird zerrissen und die Folgen werden schmerzlich sein, wie es sich auch entscheide. Es ist wahrlich nicht leicht, Jakob zu verdammen, daß er der Mutter folgte, der er innerlich verwandter war, während der Vater ihm immer den Anderen vorgezogen hatte. Und dennoch hatte Rebekka recht, in demselben Sinne, in dem Jakob bei dem ersten Handel recht hatte. Sie kennt die beiden Söhne und weiß, daß Jakob würdiger der letzten Worte aus dem Munde des sterbenden Vaters ist als Esau, der von Beruf und Zukunft nichts wissen will. Sie ist ein hochgesinntes Weib, das keine höhere Sorge kennt als die Zukunft ihres Hauses. So war sie einst dem Knechte Abrahams in die Ferne gefolgt, so ist sie verzweifelt und erklärt, daß das Leben für sie keinen Wert mehr habe, wenn Jakob ein Weib nehme, das diese Sendung zunichte machen würde. Und Schuld hat auch der Vater. Ihm ist Esau lieber, weil dieser ihm Wildbret liefert Darum ist er schwach gegen ihn und hat nicht gehindert, daß Esau fremde Weiber nahm, obgleich er denselben Abscheu dagegen hatte wie Rebekka. Denn er bleibt doch der Sohn eines Abraham und ist deshalb, als die Mutter darauf dringt, einverstanden, daß Jakob, um nicht dem gleichen Schicksal zu verfallen, auswandert Sieht man bei dem Vorgang der Täuschung genauer zu, so könnte man fast auf den Gedanken kommen, daß Isaak getäuscht sein wollte. Er stellt sich zwar mißtrauisch, aber nachdem er Jakob betastet hat, sagt er: „Die Stimme ist Jakobs Stimme, die Hände sind Esaus Hände". Bei solchem Widerspruch müßte doch, sollte man meinen, die Stimme den Ausschlag geben. Und genau besehen, erhält jeder den Segen, der für ihn paßt: Jakob, der Mann des Zeltes: die Frucht des Bodens; Esau, der Jägersmann: die Verheißung, von seinem Schwerte zu leben. 6t3

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