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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 611

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
611 (sequence 8)
Language
German
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Des Vaters Segen wir hinzu, auch bei keinem noch so rückhaltlosen Verteidiger Jakobs unter bibelgläubigen Christen wird die Erzählung jemals eine solche Wirkung gehabt haben. Sie kann also doch nicht so sittenverderbend sein, wie die Moralfanatiker meinen. Sie muß doch wohl Momente enthalten, die einen Vergleich Jakobs mit dem vielgewandten und listenreichen Helden des griechischen Epos «nd Volkes ausschließen. So dürfen wir denn diese Geschichten mit aller Unbefangenheit erwägen. Der erste Betrug soll der Handel mit der Erstgeburt sein. Zunächst muß man fragen: was bedeutete die Erstgeburt, die sich Jakob ausbedingt? Gewöhnlich versteht man darunter den doppelten Anteil bei der Erbteilung, wie ihn das mosaische Gesetz in Übereinstimmung mit dem Rechte anderer Völker festsetzt. Es ist aber fraglich, ob es dann nicht heißen müßte: das Recht der Erstgeburt. Auch die Herrschaft über die anderen Brüder kann nicht gemeint sein, denn sie mußte erst errungen werden, daher der Vater sie nur als einen Segenswunsch ausspricht., wie sie Jakob selbst dem jüngeren Juda wünscht. Wir hören auch nichts von einer durch diesen Handel bedingten Unterwerfung Esaus, noch daß Jakob jemals darauf Anspruch macht Sondern es handelt sich um die Würde des Erstgeborenen, d. h. um die Erbschaft der göttlichen Segensverheißungen an Abraham Wer sollte der Stammvater des späteren Gottesvolkes in dem den Vätern verheißenen Lande sein? Es ist nicht ein materielles sondern ein ideales Gut, das Jakob erstrebt, und dieselbe Rivalität wie zwischen den ersten Brüdern, Kain und Abel, nur daß es erst die späten Nachkommen sind, die den Vorzug genießen werden. Auch Jakob lebt wie Abraham in einer fernen Zukunft Sein Streben ist eine Auflehnung gegen den Zufall der Geburt. Wie, weil Esau einen Augenblick früher zur Welt gekommen ist, soll ihm alle geistliche Herrlichkeit zufallen, auch wenn er nicht der Mann dafür ist? Wenn in irdischen Reichen unweigerlich dem Erstgeborenen die Thronfolge zufällt, mag er auch ein Schwächling oder Narr sein, während der begabtere und in jeder Hinsicht geeignetere jüngere Bruder sein Leben im Schatten vertrauern muß, so mag diese Unzulänglichkeit durch die grundsätzliche Sicherheit des gesetzmäßigen Erbganges aufgewogen werden, obgleich die Geschichte voll ist von Beispielen einer mehr oder weniger berechtigten Empörung jüngerer Königssöhne. Gott gibt ebenso oft dem Jüngeren .den Vorzug: Abel, nicht Kain; Isaak, nicht Ismael; Jakob, nicht Esau; Levi oder Juda oder Joseph, nicht Rüben; Mose vor Aaron; Kehat vorGerson; David, der jüngste von allen Brüdern. Ein mit der Geburt garantierter Besitz und Vor- 61t

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