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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 610

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
610 (sequence 7)
Language
German
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B. Jacob Feld und Au. So mochte er leicht die Beute hellsichtiger und weltgewandter List werden. Von den spätgeborenen beiden Söhnen liebt er den älteren Esau, der ihn, eine Liebhaberei des Vaters benutzend, mit dem Wildbret, das er vom Felde heimbringt, zu fangen weiß. Diese Geburt von Zwillingen biegt den Fortgang der Erzählung wirksam von der graden Linie ab, die mit Abraham-Isaak begonnen hatte: sie wird wechselvoll und spannend. Die Gegensätze künden sich schon bei der Geburt an: der Ältere kommt rot von Hautfarbe und „ganz und gar wie ein haariger Mantel" zur Welt, womit auf die Beinamen Edom und Seir, den blutdürstigen Jäger und Waldmenschen, angespielt wird. Der andere erhält den Namen Jakob, der Fersenhalter, der Beinsteller, der Listige, der den andern zu überflügeln trachtet, schon da er zur Welt kommt Als die Knaben heranwachsen, scheiden sich alsbald ihre Wege. Esau wird ein Mann des Feldes, ein Jäger, Jakob ein schlichter, friedlicher Mann, der bei den Zelten bleibt Als Esau einmal müde vom Felde kommt und Jakob dabei antrifft, wie er ein Gericht Linsen kocht, verlangt ihn danach, aber Jakob fragt ihn, ob er ihm dafür die Erstgeburt verkaufen und den Handel eidlich bekräftigen wolle, was Esau denn auch tut Der dritte Erzvater erfreut sich weithin besonderer Abneigung. Man hat in ihm das getreue Urbild des „Juden" sehen wollen, der seine Mitmenschen im Handel betrügt und sich durch allerlei Ränke und Kniffe eine Vormachtstellung erlisten will. Sein Bild sei mit besonderem Wohlgefallen ausgeführt, weil sich das jüdische Volk darin selbst darstellen wollte. Diesem immer wieder und in den mannigfachsten Variationen vorgebrachten Gerede können wir sehr rasch ein Ende machen, noch bevor wir auf die Erzählung selbst eingehen. Folgende zwei Sätze werden, so meinen wir, genügen. Erstens: auch die ärgsten Feinde der Juden gestehen ihnen Eine Tugend zu, den starken Familiensinn, die Ehrfurcht gegen die Eltern und das Zusammenhalten unter Verwandten, besonders unter Brüdern. Dieser Jakob aber „betrügt" den Vater und den Bruder! Gerade er handelt also so unjüdisch wie möglich. Ja, wenn es Fremde gewesen wären! Aber als seine Sohne Simeon und Levi einmal eine Tat der Hinterlist und Gewalttat gegen die Bewohner von Sichern verüben, findet dies seine schärfste Mißbilligung, der er noch auf dem Totenbett Ausdruck gibt Zweitens nenne man uns doch aus der ganzen tausendjährigen Literatur und Geschichte Israels einen einzigen Fall, daß ein Jude, der betrügen wollte, sich dafür auf das Beispiel des Erzvaters Jakob berufen habe! Und, fügen 610

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