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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 609

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
609 (sequence 6)
Language
German
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Des Vaters Segen und dem ursprünglichen israelitischen Charakter durchaus fern liegen. Es ist vielmehr die gesunde von der Praxis stets befolgte und nur von einer asketischen Theorie geschmähte Lebensauffassung, nach der es löblich und sogar Pflicht ist, nach Besitz zu streben. Besitz macht unabhängig und Armut mag zwar keine Schande sein, ist aber, was man auch sagen möge, ein Unglück, weil sie erniedrigt, unfrei und oft genug schlecht macht Gott muß die Erzväter mit irdischen Gütern segnen, weil sie sonst in der Welt nichts gelten würden, denn in ihr bedeutet insgemein groß und vornehm soviel wie reich, und der Arme ist verachtet und höchstens bemitleidet Da die Erzväter Grund und Boden, den die beglückendste Befriedigung gewährenden Besitz, nicht dauernd zu eigen haben können, so müssen sie bewegliches Vermögen zu erwerben trachten, und sie sind nicht so töricht zu verschmähen, was ihr Fleiß und ihre Klugheit geschafft haben. Nur dadurch können sie sich behaupten und schützen und, was dem Orientalen der Hauptsinn des Reichtums ist, vornehme Gastfreundschaft üben, fürstlich schenken und wohltun. Überhaupt dürften die Menschen selten sein, die erwerben, nur um zu haben. So versteht man auch erst den vielberufenen, leider fast nie begriffenen „jüdischen" Erwerbssinn und Geldgeist Der heimatlose, rechtlose, schutzlose Jude hatte nur Eines, was ihn retten konnte, sein Geld. Nur mit ihm konnte er sich das Recht zu leben von seinen Drangern erkaufen und sich immer fluchtbereit halten. 2. Aber so vorbildlich Isaak als Sohn ist, so schwach ist er als Vater, so würdig er war, Segen zu empfangen, so unzulänglich zeigt er sich, ihn zu erteilen. Daß er darin fehlgreift, wird die Ursache schwerer Verirrungen und Trubsale, aber auch Gelegenheit, die Führungen der göttlichen Weisheit und Liebe zu lehren. „Die Augen Isaaks waren trübe geworden." Allerdings war er auch schon alt, aber da die Schrift sonst von diesem Anzeichen nicht spricht* so dichtete die spätere erbauliche Betrachtung des Talmuds: als er damals gebunden auf dem Altar lag und die Friedensengel weinten, fiel eine Träne in sein nach oben gerichtetes Auge, und seitdem war es getrübt Ein die Seele in ihren Tiefen erschütterndes Erlebnis in der Jugend kann einen Schatten auf das ganze Leben werfen und den Blick verschleiern, wie es bisweilen plötzlich das Haar bleicht So wird Isaak den Schauer jener Stunde niemals ganz überwunden haben, und darin finden wir die Erklärung, daß Gott zweimal der „Schrecken Isaaks" genannt wird. Auch sein Charakter muß von dem Druck dieser Vergangenheit mitgeformt worden sein. Träumerisch flüchtet er gern in die Natur. Er sucht die „Quelle des lebend Sehenden" auf und ergeht sich in 609

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