Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 608 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob land des Südens (der davon Negeb, Trockenland heißt), nur noch die in der Erde verborgene Quelle, die das kostbare Naß hergibt Einen Brunnen ergraben zu haben, war also hochverdienstlich, eifersüchtig wurde dieses Besitztum bewacht und unter den Schutz des Gesetzes gestellt Ein Name konnte nicht sicherer verewigt werden als durch Erschließung eines Brunnens oder einer Quelle. Mit jedem Trunk segnet der dürstende Wanderer den Namen dieses Wohltäters, der fortlebt, solange der Brunnen quillt Aber gerade dieses vaterländische Verdienst, dieser Ruhm Abrahams, des „Fremden", ließ die „echten" Philister ebenso wenig schlafen wie der Reichtum seines Hauses. Sie nehmen die Brunnen für sich in Anspruch („unser ist das Wasser"), wenn sie sie nicht gar, worüber schon Abraham bei Abimelech zu klagen hatte, räuberisch an sich reißen oder zugrunde richten, obgleich sie damit den größten Schaden sich selber zufügen. Wenn Isaak eine weniger edle Natur gewesen wäre, dann hätte er vor seinem Wegzuge die Brunnen seines Vaters verschüttet oder über die Verschüttung als Strafe für das undankbare Volk Schadenfreude empfunden. Er zieht fort, er wird nicht mehr daraus trinken, aber gerade darum stellt er sie wieder her und hinterläßt sie als ein uneigennütziges edelmütiges Vermächtnis zugleich von Vater und Sohn, die somit ebensosehr vor den Menschen als ein würdiges Paar erscheinen wie einst auf dem Moria vor Gott Quellenfinder und Brunnengräber — das sind die großen Männer, denen die Menschheit verdankt, was sie trankt und erquickt, und ihre würdigen Nachkommen sind diejenigen, die in edlem Eifer für große Namen es als Herzenssache und heilige Pflicht ansehen, wieder ans Licht und zu Ehren zu bringen, was Gleichgültigkeit, Unverstand, Neid und böser Wille von Philistern verschüttet hat Dann mögen sie auch selber mit Glück nach neuen Quellen schürfen, und dem Fleiß, den keine Mühe bleichet, rauscht der Wahrheit tief versteckter Born, obgleich die Philister, denen sie ihre Funde vermachen, dies am wenigsten wert sind. Isaak, den die andern schließlich als einen Gottgesegneten umwerben, besaß die Wünschelrute des Erfolges, Treue und unbeirrbare Ausdauer. Er ist ein Beispiel „Von jenem Mut, der früher oder später Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt, Von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter, Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt". Alle drei Erzväter sind oder werden reich. Sie haben große Herden, Knechte und Mägde, Gold und Silber. Dies scheint wenig zu der landläufigen Vorstellung von Glaubenshelden zu passen. Das ist aber keine Erwerbsgier und Schätzung des Reichtums um seiner selbst willen, die dem Alten Testament 608