Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1928)
- Article
- Einführungen in das erste Buch Mose
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 607 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Des Vaters Segen für den Begriff des Behütens bot sich nach dem Beispiel bei Abraham als nächstliegend die Bewahrung des Eheweibes dar, so daß die „Variante" denselben Verfasser haben kann. Der Segen aber besteht nach einem alten Spruch darin, daß Gott sein „Brot und Wasser segnet", also zunächst darin, daß Isaak trotz allgemeinen Mißwachses hundertfältigen Ertrag erntet Allein sein wachsender Reichtum erweckt den Neid der Philister, und Abimelech, der sich am Ende selbst in Schatten gestellt sieht,. glaubt der Volksstimmung Rechnung tragen zu müssen, indem er Isaak nahe legt, fortzuziehen: „Geh fort von uns, denn du bist uns zu mächtig geworden". Der friedfertige Mann gibt nach, aber zuvor vollbringt er ein bezeichnendes Werk der Pietät Der Neid der Philister hatte sich nicht nur in Reden Luft gemacht, sondern auch in Werken der Zerstörung. Sie hatten alle Brunnen, die einst Abraham dem Lande ergraben hatte, zugeschüttet und verstopft Isaak gräbt sie wieder auf und erneuert die Namen, die ihnen einsl der Vater gegeben hatte. Dann zieht er weiter um selbst Brunnen zu graben. So oft ihm auch hier wieder seine Arbeit streitig gemacht wird, zieht er weiter und beginnt unverdrossen von Neuem, bis vor seinem sichtlichen Er- 'folge die Anfeindungen ablassen, so daß sogar derselbe Abimelech ihn mit seinen Großen aufsucht, ihm gute Worte gibt und einen Bund mit ihm schließt: „du bist eben ein Gesegneter des Herrn!" Erst hier also, nach seinem Tode, erfahren wir nebenbei, was Abraham für das Land getan hatte. Er hatte Brunnen gegraben. Damit hatte der Gotlesmann für seine Landsleute das wichtigste segensreichste Kulturwerk geleistet Erste Bedingung und Quell alles Wachstums und wirtschaftlichen Gedeihens ist das Wasser, ohne das weder Mensch noch Vieh leben können. Der Strom, der Fluß, der Bach sind die Lebensadern eines Landes. Sie bestimmen die Ansiedelungen der Menschen, und eine Landschaft ohne Flußläufe, Quellen und Regen ist eine unbewohnbare Wüste. Palästina aber ist ein Land, das außer dem Jordan keinen nennenswerten Wasserlauf besitzt, anders als Ägypten, das „Geschenk des Nils", und Mesopotamien, das Land „zwischen den Strömen" Euphral und Tigris. Die ganze Kultur dieser Länder stammte von diesen Strömen und dem ausgebreiteten System von Kanälen. Selbst die straffe monarchische Regierungsform war eine Folge davon, denn nur bei ihr ließ sich jenes System einheitlich durchführen und überwachen. Um so nötiger hätte Palästina den Regen, und da auch dieser so selten ist, daß oft monatelang kein Tropfen fällt, so bleibt außer dem Tau besonders für das Gebirgs- und Steppen- 607