Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 606

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Einführungen in das erste Buch Mose
Date
1928-02-01
Page
606 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895474-2898452--02444-2898553
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

B. Jacob zu ehren, als daß er sie den Platz der Mutter einnehmen ließ. Mit dem Vater sehen wir ihn nur einmal zusammen, und nur Ein Satz ist es, den sie miteinander sprechen. Aber jener Opfergang zeigt Isaak als den würdigen Sohn des erhabenen Vaters. Die Religion Israels sollte zuerst in der Familie Wurzel schlagen. Allein was hülfe der große Vater, wenn der Sohn versagt? Auch Isaak hat den Moria erstiegen. Zwar wir können nicht annehmen, daß der Knabe den Vater schon ganz verstanden habe. Abraham hat aus Gehorsam gegen eine Gottesstimme, die nur er vernommen hatte, gehandelt, bei dem Sohne war es kindlicher Gehorsam gegen den Vater. Es ist nicht die Opferung eines kleinen Kindes ohne Verstand, sondern eines schon denkenden Sohnes, der sich willig binden läßt und ohne Widerstand den Todesstreich erwartet. Wenn Gott es ist, der ihn als Lamm ersehen hat, so darf er sich so wenig sträuben, wie es der Vater tut, der ihn doch über alles liebt Isaak hatte nicht begriffen — hatte es denn Abraham? — aber für ihn ist die Stimme des Vaters die Stimme Gottes, denn dieser Vater folgt selbst nur der Stimme Gottes. So fließen hier die beiden Quellen zusammen, aus denen überhaupt Religion entsteht und sich fortsetzt: Gott und die Eltern, Offenbarung und Überlieferung, selbständige Erkenntnis und Bindung durch Pietät Der erste Jünger des Stifters ist der gehorsame Sohn, und der beredteste Bericht über die Erziehung ist die Frucht, die sie hervorgebracht hat Nicht bloß Abraham, auch Isaak hat den Ankläger zuschanden gemacht und die Gottesfurcht gerettet Auch er war ein „Ganzer", ein „fehlerloses Lamm". Fast könnte man fragen, wer in jener Stunde größer war, der Vater oder der Sohn, das Opfer oder der Opfernde. Nach der Belohnung Isaaks aber brauchen wir nicht zu fragen, denn der Segen über den Vater — in den Nachkommen — ist ja zugleich der für den Sohn. Wie einst Abraham wird auch Isaak durch eine Hungersnot bedrängt Aber zu ihm spricht Gott nicht wie im Anfang zu jenem: Geh aus deinem Landet sondern: Bleibe im Lande 1 Er hatte nicht mit einem Elternhause zu brechen und soll erfahren, daß Gott ihn um des Vaters willen auch hier „segnen und behüten" werde. Die Behütung zeigt sich in der gleichen Gefahr, von der auch die Eltern bedroht waren. In Gerar ist er der Nachbar des Philisterkönigs Abimelech und dieser erfährt durch einen Zufall, daß Rebekka nicht, wie Isaak verbreitet hatte, die Schwester, sondern das Eheweib ist Aber Abimelech beweist jetzt seine Bundestreue und stellt ihn unter seinen Schutz. Auch diesmal haben wir es nicht mit einer anderen Geschichtsquelle zu tun, sondern 606

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.