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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 577

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Staat, Recht und Judentum
Date
1928-02-01
Page
577 (sequence 3)
Language
German
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Staat, Recht und Judentum unterworfen ist Die Geltung eines Staatsgesetzes beginnt und endet nach moderner Auffassung für alle Menschen, die dort leben, gleichviel ob sie Bürger sind oder nicht, grundsatzlich mit den Grenzen des Staates. Ganz anders aber lag das Problem für den antiken Menschen. Für den Juden war das Recht göttliche Satzung, Recht und Religion waren für ihn eins, er kannte keinen Unterschied zwischen diesen beiden Lebensgebieten. In der Thora stehen Opfergebote und Gesetze über Mein und Dein ungeschieden nebeneinander. Gehorsam gegenüber dem Staatsgesetz war Gottesdienst Der Staat selbst trug religiösen Charakter. In Ägypten, in Babylon beanspruchte und genoß der König göttliche Ehren. Römische Casaren haben die Aufstellung und Verehrung ihres Standbildes im Tempel zu Jerusalem verlangt Bei diesem Stand der Dinge war die Teilnahme an dem staatlichen Leben in Babylon für die verbannten Juden eine qualvolle Gewissensfrage. In völliger Abwendung von Babylon und seinem Staate allein schien sich die Treue zum Judentum zu bewähren. Es war eine Schicksalsstunde für die ganze jüdische Zukunft, als sich die Verbannten mit der Bitte, was sie tun sollten an Jeremia, der noch in Palästina weilte, wandten. Mit dem Bescheide, den der Prophet ihnen gab, ist er der Führer seines Volkes in die dunkle Zukunft geworden. Er hat seinen schwankenden, ratlosen Zeitgenossen die Richtung gewiesen, die das Judentum seither eingehalten hat Denn er gab seinem Volke in die Verbannung folgende Weisung: „Also spricht der Ewige, der Gott der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Verbannten, die ich aus Jerusalem nach Babel geführt habe: Bauet Häuser und wohnet darin, pflanzet Gärten und genießet ihre Frucht Nehmet Frauen und zeuget Söhne und Töchter, nehmet Euren SöhnenFrauen und gebet Euren Töchtern Männer, damit sie Söhne und Töchter bekommen. Werdet mehr und werdet nicht weniger. Und suchet das Wohl der Stadt, wohin ich Euch weggeführt habe, und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Frieden wird Euch Frieden werden" (Jer. 2g, 4 f.). Diese Entscheidung ist ein einziges Ja zur jüdischen Zukunft und gleichzeitig zur Teilnahme am staatlichen Leben in Babel, ein Ja im Namen Gottes. Offenbar ist die Steigerung, die die Anerkennung des Galuth darin erfährt Jeremia beginnt mit dem täglichen Leben und seinen Notwendigkeiten, mit Erwerb und Beruf, mit Ehe und Familie. Er steigt aber auf zur Teilnahme an dem Leben des Staates der neuen, noch fremden Heimat. „Suchet das Wohl 577

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