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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 568

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Zur Psychologie des jüdischen Kindes
Date
1928-02-01
Page
568 (sequence 14)
Language
German
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Erich Stern selbst durchaus geschätzt werden; erst da, wo sie Werte zu vernichten sucht, kann dem Menschen ein Vorwurf gemacht werden. Der Intellekt aber ist das stärkste Kampfmittel in dem Ringen um Geltung und Anerkennung. Das Kind ist unterdrückt, ist weniger geachtet, fühlt sich minderwertig; und damit muß sich der Zweck erheben, etwas zu gelten, anerkannt zu werden, sich durchzusetzen und zu behaupten. In den Dienst der Verwirklichung dieses Zieles kann auch der Intellekt treten, der damit eine starke Ausprägung und Wertschätzung erfahren muß. Wenn man aber auch Fleiß, Energie, Willen, Zähigkeit — alles Eigenschaften, die man doch sonst ungemein lobt — beim Juden so häufig feststellen kann, so verdanken sie zum Teil wenigstens diesem Drang nach Geltung und Selbstbehauptung ihre Entfaltung. Das Kind schon weiß, daß es, wenn es überhaupt etwas erreichen will, es dies nur durch eigene Arbeit, durch nie ermüdenden Fleiß, durch Anspannung aller Kräfte erreichen kann. Das veranlaßt es, schon frühzeitig sich ganz auf ein Ziel zu richten, und vor allem in der Schule, die ja überhaupt vorwiegend den Intellekt beansprucht, sich abzumühen, um zu einer guten Leistung zu kommen. Dieses Bemühen wird durch das Elternhaus, das oft unter sehr großen Entbehrungen dem Kinde die beste Bildung ermöglichen will, unterstützt und geradezu angefacht, der Ehrgeiz des Kindes wird immer wieder angefeuert, und die Folge ist das frühreife, altkluge, ehrgeizige Kind, das selbst die Spiele ablehnt, weil sie ihm keinen greifbaren Nutzen bringen. Es kommt aber noch etwas weiteres hinzu: das oben bereits angedeutete Fehlen der Religiosität im Elternhaus, der Mangel an irgend einem Ersatz, läßt die gefühlsmäßige Entwicklung zurücktreten, und der Geist des Elternhauses lenkt mehr auf das Verstandesmäßige hin. Es ist durchaus begreiflich, daß in den Schichten, die gesellschaftlich zurückgesetzt sind, und denen der Weg zu einer angesehenen sozialen Stellung vielfach verschlossen ist, das Geld als Ausgleich hoch gewertet werden muß. Geld, der absolute Wertmesser, ermöglicht die Befriedigung jedes Wunsches, ermöglicht es, sich eine Stellung, sich Ansehen, wenigstens äußeres Ansehen zu schaffen. Das Streben des Juden nach Geld ist das Streben des Ausgestoßenen nach Ansehen und Geltung. Deshalb hat das Geld für ihn auch erst dann seinen rechten Sinn, wenn es zur Schau gestellt wird, wenn der andere sich gewisser^ maßen vor ihm beugen muß. Und beides, sowohl das Geldstreben wie da» Bedürfnis, seinen Besitz auch zu zeigen — gewiß verständlich aus 568

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