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Der Morgen · 1928-02-01 · Heft 6 (Februar 1928) · p. 561

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 6 (Februar 1928)
Article
Zur Psychologie des jüdischen Kindes
Date
1928-02-01
Page
561 (sequence 7)
Language
German
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Zur Psychologie des jüdischen Kindes IIL Vorwiegend aus zwei Quellen stammen die Minderwertigkeitsgefühle: aus den Organminderwertigkeiten und aus der Stellung des Zöglings innerhalb der Gemeinschaft; sie sind also organisch und soziologisch bedingt Es ist eine weitverbreitete Anschauung, daß der Jude dem Nichtjuden körperlich unterlegen sei Und in der Tat scheint dies manchmal zuzutreffen, besonders wenn man an die aus dem Ghetto kommenden Juden denkt Aber wir wissen heute, daß Körpergewicht und Körpergröße weitgehend durch äußere Faktoren bestimmt sind, daß die Kinder sozial tief erstehender Schichten hinter den Kindern der gehobeneren Schichten zurückstehen, wenn man die Durchschnittsmaße errechnet Aber diese Kinder sind auch anfälliger, erkranken häufiger an der Tuberkulose, leiden mehr an anderen Erkrankungen, ihr Körper ist schwächer. Solange der Jude unter den ungünstigen Bedingungen der Abgeschlossenheit und wirtschaftlicher Not lebte, war er daher körperlich zweifellos unterlegen, minderwertiger; die Kinder waren schwächlicher und anfälliger. Erst nach einigen Generationen gleicht sich dieser Mangel aus, wenn die Lebensverhältnisse sich bessern. Boas hat an Juden, die nach Amerika einwanderten, gezeigt, daß oft schon in der zweiten, fast immer aber in der dritten Generation der Ausgleich geschaffen ist Ein weiteres kommt hinzu: Körperübungen, Sport, Turnen, Abhärtung usw. stählen den Körper und erhöhen die Widerstandsfähigkeit erheblich; sie geben dem Menschen die Herrschaft über den Körper, steigern sein Selbstgefühl. Solange man die Bedeutung der körperlichen Erziehung bei den Juden nicht einsah, solange also sein Körper unentwickelt blieb, mußte auch diese Schwäche zur Quelle von Minderwertigkeitsgefühlen werden, zumal man den Juden wegen seiner Leistungsunfähigkeit höhnte und ihn zu einem Kampf herausforderte, dem er nicht gewachsen war. Das zeigt uns bereits die große Bedeutung der Leibesübungen nicht nur für die körperliche, sondern auch für die seelische Entwicklung. Dabei darf naturgemäß nicht die Gefahr einer einseitigen Überbetonung der „Körperkultur" übersehen werden, die gerade heute besonders groß ist Vielleicht darf aber auch darauf hingewiesen werden, daß die Disposition zu gewissen Erkrankungen bei den Juden großer zu sein scheint als bei manchen nichtjüdischen Gruppen; die Grundlage wird hier —r wenn die Voraussetzung zutrifft — in angeborenen Organminderwertigkeiten zu 56t

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