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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 536

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
536 (sequence 10)
Language
German
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W. Michel ohne Maß und Ziel anrichten würden. Ein Zusammenleben auf engem Raum, das doch kein Zusammenleben wäre, Expansion auf der einen, Zurückdrängung auf der andern Seite, Einspringen von Neid, Machtgier und Haßgefühlen — wie in aller Welt darf man eine politische Rechnung machen, ohnf» diese Kräfte der Depravation an erster Stelle einzusetzen? Wie darf man „Friede" nennen, was Krieg ist, reinliche Scheidung, was wüstes Kampfgemenge ist? Wir kennen von unserm eignen Nationalismus her jene euphemistische Behandlung der Dinge, die von einem „frischen fröhlichen Krieg" sprach, wo Zerfleischung und Entmenschung in Frage stand. Es ist gut, die Dinge beim rechten Namen zu nennen, nicht etwa, um den Heroismus zu widerlegen, sondern um das wirkliche Ausmaß der erforderten Opfer klar zu stellen. Die Grundthese der jüdischen Nationalisten bedeutet in ihren Folgen: Entweder Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Assimilationsjuden, oder Dauerkrieg zwischen Juden und Nichtjuden. Und hier ist ein Punkt, wo sich ergibt, daß die Frage des jüdischen Nationalismus keineswegs eine bloß innerjüdische Frage ist Wenn die Nationalisten die Assimilationstendenz als eine feige, opportunistische Angelegenheit verleumden, so geht das wohl zunächst die Betroffenen an, aber dann sogleich auch alle Völker, in deren Mitte Juden wohnen. Für sie nämlich, für uns, ist die Assimilation durchaus keine Oportunitätsfrage; ich lasse beiseite, was vom staatspolitischen Gesichtspunkt gegen die Etablierung einer cjuer durch alle Völker reichenden Nation spricht; es ist schon für sich allein vernichtend. Sondern ich möchte den Hauptnachdruck auf die sittliche Seite der Frage legen: Kein anständiger Mensch kann die Verwilderung wollen, die ein Dauerkrieg zwischen Juden und Nichtjuden unfehlbar über die beteiligten Völker bringen würde. Wir haben genug an den sittlichen Entartungserscheinungen, die schon der heutige Antisemitismus über uns gebracht hat. Wir dürfen nicht schweigen, wenn Miene gemacht wird, den Kräften des Hasses eine Ermächtigung, eine Würde zu geben, die sie bisher entbehren mußten. Das aber tut der jüdische Nationalismus. Er tritt an die Seite aller Völkischen. Käme seine Grundthese je zum Sieg, dann würde sie den Judenhaß in aller Welt zur nationalen Pflicht stempeln und seinen Gegnern sämtliche wirksamen Waffen nehmen. Das ist das außerjüdische Interesse an dieser innerjüdischen Frage. Keinen Augenblick habe ich bei diesen Ausführungen die tragische Schwere, die fast unausdenkbare Verwicklung der jüdischen Gesamtsituation vergessen. Sie ist 536

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