Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 533 (sequence 7)
- Language
- German
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Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift Das Buch, von dem ich hier ausgehe, ist von Hans Kohn und Robert Weltsch und heißt „Zionistische Politik". Es trägt die Anschauung, daß die Juden eine einheitliche Nation und daher in allen Völkern ein fremder, nicht völlig eingebürgerter Bestandteil sind, mit Entschlossenheit vor. Hans Kohn wendet sich z. B. in einem Aufsatz „Liberales Judentum" gegen den Herausgeber dieser Zeitschrift, Professor Dr. Julius Goldstein und seine programmatische Prägung: „Wir sind nach Abstammung und Religion Juden, nach Kultur und Vaterland Deutsche. Unsre schicksalsmäßig gegebene und bejahte Lebensform als „geeinte Zwienatur" soll nicht durch unfruchtbare Begriffstümelei angetastet werden. Wir wollen aussprechen, was wir sind." Hans Kohn stellt demgegenüber fest, daß ihn seine Studien über deutsche, französische, tschechische und amerikanische Juden zu dem Ergebnis gebracht haben, „daß so groß auch auf der Oberfläche die unterschiedlichen Nuancen scheinen mögen, im Grunde ihres Wesens all diese verschiedenen Juden aus verschiedenen Ländern und Kulturgcbieten dennoch jüdisch sind und die gleiche Sprache reden. Das Erbe der Jahrtausende bleibt überall so entscheidend, daß von einer Zwienatur im Wesenhaften kaum die Rede sein kann." Erläutert wird diese Anschauung dann durch Ausführungen Leo Baecks über „Kulturzusammenhänge". Aus ihnen geht hervor, daß für den Juden vor allem der vertikale Zusammenhang maßgebend ist, nämlich die Gebundenheit an alle vorausgegangenen Generationen, an Geschichte und Blut des jüdischen Volkes. Daneben gibt es „horizontale" Zusammenhänge, zunächst den Zusammenhang mit Familie und Freundeskreis, dann mit der kulturellen Umwelt und den vielen anderen Kulturwelten, denen der Mensch durch Bildung oder durch Beruf oder durch Neigung angehört Eindeutig ergibt sich aus diesen Gedankengängen, daß durch den an Stärke alles überragenden „vertikalen" und den wichtigsten „horizontalen" Zusammenhang (Milieu) der Jude in allem Wesentlichen jüdisch-national bestimmt ist Diese Anschauung beherrscht das ganze Buch. Man liest an einer ganzen Ileihe von Stellen von dem „tiefgehenden Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden". Man hört, daß erst „in der erstrebten autonomen jüdischen Gemeinschaft ein neues geistiges Leben des Judentums, das wirklich geistiges Leben und nicht erbärmliches Surrogat ist", gedeihen kann. Es wird abgelehnt, daß sich der Jude „in mehr als staatspolitischem Sinne einfach Deutscher, Franzose usw." nennen dürfe, und es wird behauptet, daß die Juden „bei reinlicher und offener Anerkennung der Scheidung besser und ehrlicher" mit 533