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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 532

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
532 (sequence 6)
Language
German
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W. Michel in allen staatsbürgerlichen Bezügen für eine primitive moralische Forderung und glaubten sie begründet in der Tatsache, daß ein Jude eben so gut ein deutscher Staatsbürger sein könne als ein Nichtjude. Die ganze Frage schien uns, bei aller ihrer moralischen Bedeutung, in einer mittleren Sphäre zu liegen, da eben, wo sich die Begriffe und Entscheidungen für das tägliche Leben unter Menschen bilden, wo es Pflicht ist, nach großen Maßstäben und annähernden Einteilungen vorzugehen, weil Tief sinn oder bohrende Radikalität fast stets die Dämonie der Trennungen aufruft und den Blick für die einfachen sittlichen Fragestellungen trübt So schien es uns für diese einfachen sittlichen Fragestellungen recht unerheblich, ob der Jude denn nun auch wirklich bis ins letzte hinein am „Geheimnis germanisch-deutscher Artung" teilhaben könne. Wir durften uns sagen, daß das bei der großen sittlichen Grundentscheidung zwischen Haß und Frieden, zwischen Mißachtung und bürgerlicher Anerkennung eines wesentlichen Bevölkerungsteiles keine Rolle spiele. Deutsches Volk besteht aus so vielen verschiedenen Blut-Beiträgen, Nahes und Fernes ist ihm in so unübersichtlicher Mischung zugewachsen, daß jede rassische Radikalität in Illusionismus und von der Wirklichkeit fortführt Wenn feststand, daß der jüdische Bevölkerungsteil kein Eigenkörper von staatsfremder Innervation war, wenn ihm zuzubilligen war, daß er im großen ganzen seine Kräfte, wie es eben Menschenart ist, im selbstverständlichen Zusammenhang mit der Umwelt ausgebe, nach Gedeihen strebend wie alle anderen, und eben dadurch dem Ganzen nützend, — dann mußte seine Einbürgerung anerkannt, und ihm grundsätzlich derjenige Lebensraum gegeben werden, der jedem Bürger des Staates zusteht Gegner dieser Auffassung waren von vorneherein die Antisemiten. Um sie handelt es sich hier nicht Man kennt sie, man hat sich mit ihnen ausgiebig auseinandergesetzt Aber an ihre Stelle tritt nun als Eideshelfer, jedenfalls als Kronzeuge für die wichtigste theoretische Voraussetzung des Judenhasses, eine Gruppe von Juden und verändert mit einem Schlage die Situation. Was ich meine, das sind jene jüdischen Nationalisten, die mit größtem Nachdruck die Grundthese der Antisemiten verfechten, daß alle Juden der Welt eine einzige Nation und demnach in jedem Staatsvolk einen durchaus fremden, der Einbürgerung grundsätzlich entzogenen Bestandteil bilden. Die im Nachsatz enthaltene Konsequenz wird zwar von den jüdischen Nationalisten nicht mit der gleichen Schärfe herausgestellt wie der Vordersatz; aber sie ergibt sich aus ihm mit einer solchen Notwendigkeit, daß sie nicht ernsthaft bestritten werden kann. Darüber wird später noch zu reden sein. 532

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