Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 531 (sequence 5)
- Language
- German
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Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift Palästina vorgeht, ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit mit seinen Glaubens¬ und Stammesgenossen in der ganzen Welt hervorrufe als das Bewußtsein, daß zu dieser Stunde überall, wo Juden versammelt sind, dasselbe Grotteswort der Thora verlesen und erläutert wird, daß zu dieser Stunde in allen jüdischen Häusern die Lichter strahlen, daß an diesem Tage alle dasselbe Fest und in derselben Weise feiern, zu gleicher Zeit beten, bekennen, fasten, trauern oder sich freuen? Das ist der Juden gemeinsames Vaterland, das himmlische Jerusalem. Tolstoi hatte recht, als er sagte, er begreife die Zionisten nicht, die für die Juden ein neues Vaterland schaffen wollten, da sie doch in der Bibel das schönste und unvergänglichste Vaterland hätten. YY. Michel schreibt: So offen, wie ich vor Jahren (in der Streitschrift „Verrat am Deutschtum") meine Meinung über die deutschen Antisemiten gesagt habe, so offen möchte ich hier über ein zionistisches Buch sprechen, das mir soeben vom Verlag Dr. R. Färber in Mährisch-Ostrau zugeschickt worden ist Offen und unzweideutig und immer vom Blickpunkt eines Menschen aus, der seinen jüdischen Mitbürgern nus einfachem Menschengefühl gleichen Lebensraum, gleiche Gegenwärtigkeit und Fülle des Daseins wünscht, wie allen andern. Denn das haben wir von Jugend auf gehört, daß unsern jüdischen Mitbürgern nichts anderes gefehlt hat als das ruhige selbstverständliche Leben mit und neben den anderen Bürgern, gegründet auf das beiderseitige Anerkenntnis, daß die jüdischen Deutschen zum Leben im deutschen Volke im ganzen genommen die gleichen Voraussetzungen mitbringen wie die Deutschen aus anderem Stamm. Wir glaubten, nicht hassen, und nicht haßvoll unterscheiden zu dürfen. Und wir merkten sehr bald, daß auch eine nicht haßvoll gedachte Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden, wenn sie nur mit der Autorität einer grundsätzlichen unaufhebbaren Unterscheidung auftritt, die bitteren und trennenden Gefühle begünstigt, die in ihrer Auswirkung zu Gewalttat und Unrecht, zu Y'erachtung und Verfolgung der Juden durch die Nichtjuden führen müssen. Deshalb klammerte sich unser Wunsch, das deutsche Volk vor dem Judenhaß und die Juden vor einem unwürdigen, geknechteten Dasein bewahrt zu sehen, von Jugend auf an die These, daß den jüdischen Mitbürgern gegenüber keine grundsätzlich andere Einstellung nötig sei als gegenüber den anderen Bürgern. Wir hielten die Gleichberechtigung der Juden vor dem Gesetz und 53X