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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 530

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
530 (sequence 4)
Language
German
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B. Jacob diese ist nichts anderes als das Leben selber. Alles Wachstum ist beständiges Assimilieren, Aufnehmen. So hat auch das Judentum jeder Zeit die seinem ursprünglichen Wesen gemäßen Elemente der Umwelt sich (sibi) „assimiliert". Es ist die Aufgabe seiner Lehrer und Führer, zu verhüten, daß es sich (se) assimiliere und auflöse, eine Gefahr, die allerdings inmitten einer Welt, die äußerlich so viel mächtiger und so verführerisch ist, beständig droht. Aber nicht der Zionismus ist es, mit dem ihr begegnet wird. Oder er stürzt doch, wenn er dieser Scylla entgeht, in die Charybdis einer kulturfremden Abschließung und Erstarrung, so sehr er sich dagegen auch wehrt. Das Judentum ist immer „zionistisch" gewesen. Aber in. einem Sinne, von dem unsere heutigen Zionisten allermeist nichts wissen wollen. Solange der Tempel auf dem Zion stand, war er für die Juden der ganzen Welt religiöser Mittelpunkt, und als er gefallen war, wurde seine Wiederaufrichtung die tausendjährige Sehnsucht der Zerstreuten und ist es, wie ihre täglichen Gebete bezeugen, noch heute. Die Zionisten setzen für den Tempel Palästina als politisches oder kulturelles Zentrum und erhoffen davon dieselbe Wirkung, ganz Israel im Geiste zu vereinigen. Immerhin, mögen sie als ein wohlgesiebtes Häuflein von Pionieren für Neues Leben das Experiment machen! Wir werden es mit Aufmerksamkeit und Achtung verfolgen, sofern sie nur nicht uns dazu pressen, die wir uns anders gebunden fühlen und keinen Glauben daran haben. Aber der heutige Jude der Diaspora prüfe sich selbst, ob er solche Wirkung bei sich verspürt Solange der Tempel stand, war man nur in ihm ganz Jude. Daher die Sehnsucht der in der Ferne weilenden Psalmisten und Frommen nach dem Heiligtum. Nur hier sah der Israelit einen Dienst Gottes, in dem er die Seele seines Volkes aufsteigen fühlte. Das Opfer war Symbol und Abschattung der höchsten Ideen und tiefsten Empfindungen. Aber jetzt wäre selbst die Wallfahrt nach Zion nur der Schatten eines Schattens, das Erinnern an ein Erinnern. Der Jude der antiken Diaspora konnte leidenschaftlich für die Vorgänge in Jerusalem interessiert sein, z. B. für die Persönlichkeit des Hohenpriesters. Aber der moderne Jude hat gar kein Interesse für die Stadtverordneten-Wahlen im heutigen Jerusalem oder Tel Awiw, und die Sympathie für den kulturellen Aufbau des Landes kann eine religiöse, also innerste Erregung nicht erzeugen. Der Jude der modernen Diaspora prüfe sich, ob sein Beitrag zum Keren ha-Jessod, seine Mitgliedschaft zu einer zionistischen Ortsgruppe, ob die regelmäßige Benachrichtigung durch zionistische Zeitungen über das, was in 530

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