Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 529 (sequence 3)
- Language
- German
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Prinzipielle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift und Frieden. Auch Palästina, sagen unsere Autoren, ist nur als binationale Gemeinschaft denkbar. Nun gut, dann lebe ich lieber in Deutschland und mit Deutschen „binational" als mit Arabern und im asiatischen Orient. Die Betonung der jüdischen Nationalität und die Erhebung Palästinas zum kulturpolitischen Zentrum aller Juden der Erde muß ferner notwendigerweise nicht nur unsern Feinden, sondern auch unsern nichtjüdischen Freunden die Hede in den Mund legen: Seid ihr eine eigene Nation, und ist euer wahres Vaterland, nach dem ihr bestandig schielt, Palästina, so geht doch dorthin! So gehört ihr nicht zu uns und wir können euch unmöglich unsern Staat und unsere nationalen Güter mitanvertrauen. Jedoch diese Seite der Sache ist bereits so oft und eingehend betrachtet worden, daß es weiterer Worte nicht bedarf. Notwendiger ist es, eine andere Seite zu erwägen, denn die Unklarheit darüber ist die Ursache für manche platonische Sympathien, die der Zionismus in den jüdischen Reihen gefunden hat Zunächst muß bestritten werden, daß erst er es sei, der den Juden der ganzen Welt ihre Zusammengehörigkeit zum Bewußtsein gebracht habe. Dieses Bewußtsein hat immer bestanden. Es ist verwurzelt in der gemeinsamen Abstammung, in der gemeinsamen Geschichte, in den gemeinsamen Leiden, in dem höchsten gemeinsamen Geistesgut der Religion mitsamt der hebräischen Sprache als unserer heiligen Sprache. Will man uns in diesem Sinne ein Volk nennen, so haben wir nichts dagegen. Aber wir sind keine Nation mit gemeinsamen nationalen Einrichtungen und Ansprüchen, Einem Land, Einer Obrigkeit, Einem Recht und am wenigsten Einer gemeinsamen Kultur. Eine eigene jüdische originale Kultur gibt es nicht und hat es nie gegeben. In diesem Betracht war das Judentum stets assimilatorisch. Über diese Assimilation ereifern sich die Zionisten besonders. Sie haben recht, wenn sie die ganze Schale ihres Zornes über die sich selbst preisgebende, ihr Judentum versteckende oder verleugnende, alles Nichtjüdische anbetende Charakterlosigkeit ausgießen, die die größere Hälfte des vorigen Jahrhunderts besonders in Deutschland zu einem traurigen Kapitel der jüdischen Geschichte macht Sie hatten recht, wenn sie demgegenüber den Juden zur Selbstbesinnung und Selbstachtung aufriefen und es soll ihnen nicht das Verdienst abgestritten werden, daß sie an einer Wendung zum; Besseren einen erheblichen Anteil haben. Aber der Mißbrauch hebt nicht den Gebrauch auf. Es ist zu unterscheiden zwischen einer Assimilation im Akkusativ und im Dativ, ob ich mich oder mir assimiliere. Jene ist Selbstmord, 529