Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 528

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Prinzipelle Bemerkungen zu einer zionistischen Schrift [Rezension]
Date
1927-12-01
Page
528 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895467-2895473-2898320--02346-2898420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

B. Jacob vemcur stehend, im Grunde nichts anderes als eine englische Kolonie ist und fünf Sechstel der Einwohner nicht Juden sondern Araber sind, die nicht gewillt scheinen, den Juden ohne weiteres Platz zu machen oder sich von ihnen beherrschen zu lassen. Der Zionismus, dem die Verfasser das Wort reden, ist der von Achad Haam gepredigte sogenannte Kulturzionismus. „Palästina soll ein geistig nationales Zentrum für das Judentumsein, ein Zentrum, das dem ganzen Volke lieb und teuer ist und das ganze Volk vereinigt und verbindet, ein Zentrum der Thora und der Wissenschaft, der Sprache und Literatur, der körperlichen Arbeit und der seelischen Reinheit, eine Miniatur des jüdischen Volkes, wie es sein sollte." Diesem Zentrum sollen sich die Juden aller Länder zugehörig fühlen. Aber auch in dieser Orientierung sehen wir einerseits keine Stärkung des wesenhaften jüdischen Gedankens, andrerseits eine bedenkliche Schwächung des staatsbürgerlichen und allgemein menschlichen. Um mit dem letzten Punkt zu beginnen, so führt das geplante palästinensische Bürgertum des in Deutschland, Frankreich, England usw. beheimateten Juden unweigerlich zur Wiederaufrichtung des Ghettos mit allen mittelalterlichen Folgen. Zunächst zur seelischen Entfremdung: Niemand kann zween Herren dienen und zwei irdische Vaterländer haben. In den Ländern, in denen die Emanzipation vollständig und seit Generationen durchgeführt ist, fühlt sich die überwältigende Mehrheit der Juden durchaus als einen Bestandteil der Nation, in der sie leben, sie bestreiten entschieden die Existenz einer jüdischen „Nationalität", zu der sie sich mit allen Konsequenzen zu bekennen hätten, und sind entschlossen, unter keinen Umständen freiwillig in ein wie immer geartetes Ghetto zurückzukehren. Sie begnügen sich auch nicht mit dem „Staatsbürgerrecht", sondern fühlen sich berufen an den nationalen Aufgaben mitzuarbeiten und bis zu dem Punkte, von dem wir noch sprechen werden, in dem Leben der Nation untertauchen. Daran wird sie auch die Mißgunst nicht hindern, mit der dieses Streben von manchen Teilen der Nation angesehen wird. Wir machen uns nicht einmal Illusionen über die Verbreitung der gegen uns gerichteten Abneigung, auch wenn sie sich nicht ausdrücklich Antisemitismus nennt, und fühlen ganz den Druck, die Befangenheit und das Unfrohe eines Lebens in solcher Atmosphäre; aber es ist unser Trost, daß nicht wir daran schuld sind und keine Gestaltung der Dinge sie jemals aus der Welt schaffen würde. Nirgends auf diesem Planeten herrscht zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen eitel Liebe 528

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.