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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 483

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Schreiben an einen katholischen Geistlichen
Date
1927-12-01
Page
483 (sequence 11)
Language
German
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Schreiben an einen katholischen Geistlichen Nichtjuden; man vergesse auch nicht, daß tausende still für sich lebende gläubige Juden sich diesem Zeittreiben ferngehalten haben. Was hier vom Materialismus gesagt ist, gilt mutatis mutandis auch vom Kapitalismus und Bolschewismus. Als Wirtschaftsgesinnung erscheint der Kapitalismus nach den Kreuzzügen in den oberitalienischen Stadtstaaten und breitet sich mit dem Verfall der mittelalterlichen Feudalordnung über Europa und die übrige Welt aus. Die Juden, die im Alten Testament Ackerbauer und Viehzüchter sind, werden frühzeitig in den Kapitalismus hineingezogen. Ich brauche nicht an die bekannten Tatsachen zu erinnern, wie die Juden von Handwerk und Ackerbau abgedrängt werden zur Geldwirtschaft, — ein furchtbares historisches Schicksal zwingt sie in jene Berufe, die kapitalistischer Wirtschaftsweise besonders zugänglich sind. (Aus der großen Literatur verweise ich nur auf Dollinger: „Die Juden in Europa", und J. Elbogen: „Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates", Aus Natur und Geisteswelt. Daß die einseilige Berufsgliederung der Juden seelische und körperliche Schädigungen hervorgerufen hat, leugnet niemand; die Juden selbst am wenigsten. Sie versuchen seit längerem schon, und heute mit besonderem Erfolge, die Jugend der Landwirtschaft und dem Handwerk wieder zuzuführen. Sind denn heute die Juden die eigentlichen Träger des Kapitalismus? Und haben sie als solche schuld an all dem Unheil, das über uns gekommen ist? Ich behandle die zweite Frage zuerst, denn nur, wenn der Kapitalismus die Schuld am Weltkriege trüge, hätte die Frage, ob die Juden die eigentlichen Träger des Kapitalismus sind, mehr als akademische Bedeutung. Dann lautete etwa die Behauptung in verschärfter Einfachheit: Der Kapitalismus trägt die Hauptschuld am Kriege; die Juden sind die Träger des Kapitalismus — folglich sind die Juden die eigentlichen Schuldigen des Weltkrieges. Das Groteske dieser Beschuldigung ist auch antisemitischen Kreisen zum Bewußtsein gekommen. Im Augustheft 1920 der Zeitschrift „Der Türmer" wird unter der Überschrift „Antisemitisches Saltomortale" von einer Polemik berichtet zwischen dem Hauptschriftleiter der „Deutschen Zeitung", Reinhold W u 11 e, und dem Herausgeber der ebenfalls antisemitischen „Eisernen Blätter", Dr. Ulrich Kahrstedt Dr. Kahrstedt schreibt: „Es ist doch der Inbegriff unhistorischer Betrachtungsweise, alle unerfreulichen Erscheinungen in der vielgestaltigsten Kultur aller Zeiten und am 483

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