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Der Morgen · 1927-12-01 · Heft 5 (Dezember 1927) · p. 476

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Journal
Der Morgen
Volume
3 (1927-1928)
Issue
Heft 5 (Dezember 1927)
Article
Schreiben an einen katholischen Geistlichen
Date
1927-12-01
Page
476 (sequence 4)
Language
German
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Julius Goldstein klugerweise nicht sofort, aber wenn der Staat nachgebe, werde sie ihre Forderungen nach geometrischen Progressionen steigern. (Aus einem Werke von Otlo Meyer: „Die Propaganda, ihre Provinzen und ihr Recht, mit besonderer Berücksichtigung auf Deutschland", Göttingen i852, zit bei Kißling, Bd. I, p. 273. Die Antisemiten sagen: Das Judentum ist fremdländischen Ursprunges und der deutschen Nation wesensfremd. Die Juden sind ein Tropfen fremden Blutes im deutschen Volkskörper. Im Kulturkampf heißt es: „Der Katholizismus ist kein deutsches Gewächs. Er ist fremdländischen Ursprunges. Die deutsche Nation und der Protestantismus sind im innersten Wesen verwandt und aufeinander angewiesen." (Protestant Kirchenzeitung 1866, p. 95g.) „Sozialisten und Katholiken haben die Empfindung, daß sie ein fremder nicht assimilierbarer Tropfen in unserm Blute sind, daß zwischen dem Wesen unseres Volkes und Staates und dem ihrigen ein unausgeglichener Gegensatz besteht, und daß es zugleich für sie und ihre Herrschaftspläne kein stärkeres Hindernis gibt als das heutige unter der Führung Preußens geeinigte blühende und machtvolle Deutschland" (Magdeburger Zeitung, 4- April 1872). — Die Antisemiten sagen: Die Juden haben den Weltkrieg gemacht Im Kulturkampf heißt es: Der römische Jesuitismus hat die Kaiserin Eugenie zum Glaubenskrieg gegen Deutschland gewonnen. Bismarck erzählte dem Bischof von Ketteier von seiner Befürchtung, daß seinem Werke von Rom her Gefahr drohe, daß von dort, wie von einem Mittelpunkte aus, eine einheitliche Leitung gegen das Deutsche Reich stattfinde, und daß der erste und nächste Angriffspunkt in diesem Kampfe die preußisch-polnischen Länder seien. „Mich erschreckte damals", so berichtet der Bischof, „dieser Wahn in dem Kopfe eines so einflußreichen und energischen Mannes im Hinblick auf das Unheil, das möglicherweise aus einem solchen Phantasiegebilde für Deutschland entstehen würde." (Kißling, Bd I, 386.) Wie das, was einzelne Juden tun, den Juden zugerechnet wird, so geschah es auch in der Kulturkampf epoche mit den Katholiken. Im Reichstag verwahrte sich die Zentrumsfraktion dagegen, daß das Attentat Kulimanns den Katholiken zugerechnet würde. Bismarck antwortete ihnen: „Verstoßen Sie diesen Mann, wie Sie wollen. Er hängt sich doch an Ihre Rockschöße." 476

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