Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Die Parapsychologie
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 467 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Parapsychologie in unmittelbarer Weise hellgesehen werde. Bei dieser Auffassung würde das Hellsehen als Sondertatsache überhaupt beseitigt Es scheint mir aber nicht, daß diese Hypothese alle Fälle von Hellsehen deckt, mögen einige auch von ihr gedeckt werden. Für die nicht gedeckten Fälle nehmen einige unbekannte Strahlen an, die bei gewissen überempfindlichen Personen, eben den Medien, die normalen Sinnesorgane reizen sollen. Diese Hypothese wird bei Hellsehen auf große Distanzen ungeheuer unwahrscheinlich; sie versagt ganz beim Hellsehen vergangener Situationen, welches übrigens, wovon wir noch handeln werden, oft psychometrisch vermittelt wird. Auch zur Erklärung von Telepathie und Gedankenlesen haben die so beliebten physikalischen „Strahlungen" herhalten müssen. Ein Hirn soll in bestimmter Weise „schwingen" und alsdann Strahlen aussenden. Treffen diese Strahlen ein anderes Hirn, so „schwingt" es, nach dem Prinzip abgestimmter Stimmgabeln, in derselben Weise wie das aussendende Hirn und ruft „daher" im Empfänger dasselbe Erlebnis hervor wie im Geber. Diese Hypothese, nach Art des Rundfunks gedacht, versagt schon allein deshalb, weil sie auf dem unmöglichen psycho-mechanischen Parallelismus ruht Aber selbst wenn wir diese groteske Lehre zulassen würden, würde die Hypothese versagen, denn die Erlebnisse von Geber und Empfänger sind in der großen Mehrzahl der Fälle gar nicht „dieselben": ein Sterbender denkt zum Beispiel an seine ferne Gattin; aber sie denkt doch nicht an sich selbst, sondern „sieht" etwa träumend oder auch wachend den Sterbenden halluzinatorisch. Frage und Antwort also liegt vor, und so könnte man allenfalls an eine hypothetische Analogie zur gesprochenen, geschriebenen oder telegraphierten „Unterhaltung" denken. Dazu aber bedarf es, wie Tischner gezeigt hat, eines verabredeten oder konventionellen Zeichensystems — und das fehlt hier. Mit der Strahlungshypothese ist es also sicherlich nichts. Und nun gar das paranormale Wissen um längst Vergessenes und um Zukünftiges! j 8. Beides wird, wie auch das Hellsehen, oft „psychometrisch" vermittelt Was heißt denn das? Ein Gegenstand, der einem Menschen einst gehörte, befähigt, so wissen wir, das Medium zur Entfaltung seiner Tätigkeit Warum gerade dieser Gegenstand? Hat gerade er etwas an sich, das ihn gleichsam zur historischen (und prophetischen!) Quelle macht? Wir wissen hier nur das eine, daß das wohl nichts Physisches sein kann. Denn ein dinghafter Gegenstand als solcher ist eine bestimmte momentane Konstellation von Pro- 467