Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1927)
- Article
- Die Parapsychologie
- Date
- 1927-12-01
- Page
- 464 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Driesch statthaben. Manche erfüllt das mit solchem Mißtrauen, daß sie von der ganzen Sache nichts wissen wallen. Sollten sie nicht vergessen, daß man doch eben auch eine photographische Platte nur in Rotlicht entwickeln kann? Andere stoßen sich daran, daß in Anwesenheit sehr kritischer „wissenschaftlicher Kommissionen" die Dinge oft schlecht oder gar nicht gelingen. Diesen ist schon zutreffend gesagt worden, daß doch auch ein Dichter schwerlich dichten könnte, wäre eine „wissenschaftliche Kommission" anwesend, die ihn in brüsker Weise dauernd kontrolliert, ob er nicht etwa seine Gedichte irgendwoher, etwa aus einer fremden, wenig bekannten Sprache beziehe. Man darf nie vergessen, daß das Medium ein Mensch ist Gewiß, das kann bedenklich sein, denn nur der Mensch, nicht aber etwa ein Frosch oder Seeigel „lügt"; aber es fordert auch Nachsicht heraus, und es ist alles andere als unverständlich, daß ein Medium versagt, wenn es sich dauernd beargwöhnt fühlt Echte Kritik und argwöhnisches Mißtrauen sind zweierlei Dinge; auf der anderen Seite aber haben Medium und Künstler insofern eine gewisse Verwandtschaft, als beide vornehmlich unbewußt arbeiten und nicht durch von außen kommende Gemütserregungen gestört werden dürfen. 6. Ein Tatsachengebiet „verstehen" heißt, es in schon bekannte Tatsachengebiet einfügen oder wenigstens an bekannte Tatsachen angliedern. Fragen wir uns nun, inwieweit wir imstande sind, die von uns geschilderten Gruppen parapsychischer Phänomene zu verstehen, so beginnen wir passend mit dem Versuch einer Einfügung oder wenigstens Angliederung der physischen Tatsachen an bekannte Dinge. Denn hier ist die Angliederung leichter als auf dem seelischen Gebiet Diese Äußerung wird manchen Leser verwundern, denn praktisch stoßen gerade die Anerkennung von Materialisation und verwandten Dingen auf viel größeren Widerstand als die von Telepathie und Gedankenlesen; aber berechtigt ist unser Satz, wie man hoffentlich sehen wird, trotzdem Freilich muß, soll die Angliederung der physischen Paraphänomene an Bekanntes gelingen, endgültig gebrochen werden erstens mit dem Dogma vom Allmechanismus der Natur — sei es in materialistischer oder in irgend einer angeblich „kritischen", etwa neukantianischen Form vorgebracht — und zweitens mit dem Dogma vom sogenannten psychophysischen Parallelismus, der da behauptet, es sei das Seelische letzthin „dasselbe" wie das Getriebe der Hirnfunktionen, wobei das Gehirn ausdrücklich als „mechanisches System" genommen wird. 464