Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Vom Ausdruck des Menschen [Rezension]
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 441 (sequence 2)
- Language
- German
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Wilhelm Michel: „Vom vielfältiger Wechsel. Ähnliches gilt für das Seelenleben: rascher Ablauf der einzelnen Gemütsbewegung, häufiger Wechsel der Gefühle und Neigungen, Hitze des Fühlens, jedoch verbunden mit größter Weichheit Das Geistesleben steht in großer Abhängigkeit vom Seelenleben. Demgegenüber gestaltet das parabolische Wachstumsprinzip den Körper im Sinne des Paraboloides, eines durch Umdrehung der Parabel um ihre Achse entstandenen Gebildes. Es ergeben sich daraus folgende Merkmale: mächtiger, langer Kopf, langer Hals, lange Nase, mächtiger Gesamtwuchs mit langen, massigen Gliedmaßen; dazu helle Haar- und Hautfarbe, bläuliche Augen, langsamer, großschrittiger Gang, gleichförmiges Mienenspiel, weicher, heller und mächtiger Stimmklang. In Lebensbetätigung, Seelen- und Geistesleben herrscht Beständigkeit, Langsamkeit, Großzügigkeit, Kühle und Schwere, gesetzmäßige Gedankenabfolge. Das pyramidische Wachstumsprinzip gestaltet den Körper im Sinne der Pyramide: gerade Linien, eckige Übergänge, Vorherrschen des Straffen, Abgewinkelten; kleiner, schmaler Kopf, steile Stirn, scharfe, gerade Nase, schlanker, mittelgroßer Gesamlwuchs; straffe, stoßartige Bewegungen; helle, graublonde Haarfarbe, lichtgelbliche Haut, gelblichgraue Augen. Zur Lebensbetätigung, zum Seelen- und Geistesleben ist zu sagen, daß sie von gradliniger, kantiger Härte und scharfer rhythmischer Betonung beherrscht werden; starke Antriebe, harte, rücksichtslose Denkweise, unbeugsame Logik. Dem polygonischen Typ weist R-utz ausschließlich negroide Völker zu; er kann hier mangels praktischen Interesses übergangen werden. Ausdruck des Menschen" Es ist nun bei Butz Grundanschauung, daß die Körpermerkmale und die geistigseelische Artung bei der geschlechtlichen Vermischung der Grundtypen sich trennen und so in äußerst bunten Vertauschungen sich bei der Vererbung vermischen. Er sagt: „Weder unter den heutigen Verhältnissen noch vor 5oo oder 1000 Jahren bildeten irgend welche Bau- und Farbmerkmale des Körpers irgend welche Sicherheit dafür, daß die einst in Urzeiten mit ihnen verbundenen geistigen und seelischen Eigenschaften in der betreffenden Einzelperson wieder vereint auftreten werden." Vielmehr hat „jede geistig-seelische Art im Wege der Geschlechtsverbindung und Vererbung die Möglichkeit, in alle Völker ohne Rücksicht auf Bau- und Farbenmerkmale einzudringen". Daraus ergibt sich, daß in einem „parabolisch" geprägten Körper eine ausgesprochen „sphärische" oder „pyramidische" Geistes- und Seelenart wohnen kann und umgekehrt. Jede nach Körpermerkmalen orientierte Rassenlehre wird als grobmaterialistischer Irrtum verworfen. Sätze wie „Das gleiche Blut allein wird Einheitliches und Bestehendes schaffen, die Vermischung wird immer wieder Wirrnis usw. hervorrufen" gelten Rutz als Irrlehren verhängnisvoller Art. Wenn er im praktischen Teil seines Buches ein Schema der Anhaltspunkte aufstellt, nach denen Einzelmenschen zu beurteilen seien, so nennt er unter eins die Handlungsweise, unter zwei die Mimik, unter drei Pose und Haltung, unter vier den Stimmklang, unter fünf die Schaffensart, und erst unter sechs die körperlichen Merkmale. Die Ausdruckslehre von Ottmar Rutz geht also streng auf die geistig-seelische Einzelpersönlichkeit. Sie kennt für diese kein Fa- 441