Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Vom Ausdruck des Menschen [Rezension]
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 442 (sequence 3)
- Language
- German
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Wilhelm Michel tum des Körpers. Sie erschließt und bestimmt sie in jedem Falle neu aus primären und echt physiognomischen Gegebenheiten, die Ausdruck einer bestimmten individuellen Struktur sind. Aber sie kennt nicht den finsteren Aberglauben, daß gleiches Blut und gleicher Körper mit Gewißheit auf den gleichen Geist und die gleiche Seele schließen lassen. Mit erfreulicher Entschiedenheit verweist er die Fabeleien von einer nordischen, ostischen, dinarischen Rasse aus dem Bereich echter Menschenforschung hinaus, und insbesondere dem Rassenforscher Günther zeigt er, daß er als Beispiele seiner „nordischen" Rasse in vielen Fällen extreme Mischtypen von Sphärikem, Parabolikern usw. verherrlicht hat. Von Interesse ist nun noch, wie sich Ottmar Rutz die wichtigsten Kulturvölker auf seine vier Grundtypen verteilt denkt. Er kommt dabei zu Ergebnissen, die oft in erfrischender Weise von üblichen Anschauungen abweichen. Dem sphärischen Typ weist er — es ist bei diesen Zuweisungen natürlich immer nur Herkunft und Durchschnitt gemeint, vorbehaltlich besonderer Bestimmungen in jedem Einzelfall! — die alten Römer und die heutigen Italiener zu, ferner die Polen und Rumänen. Es ist ihm dabei wahrscheinlich, daß in ganz Europa eine sphärische Urbevölkerung gelebt hat, die es erklärt, daß es auch unter Deutschen auffallend viele dunkle Färbung von Haar, Haut und Augen nebst Kreisbogenförmig gerundeten Nasen gibt. Eine interessante Einzelheit ist es, daß ihm auch „die Idee eines um einen Mittelpunkt kreisenden »Weltreiches«, auch die Idee des »heiligen römischen Reiches deutscher Nation« durch die sphärische Denkart stark beeinflußt" scheint. Die parabolische Art herrscht nach Rutz vor bei den Deutschen, den Engländern, Holländern, Schweden, vielfach mit einem starken Einschlag sphärischer und pyramidischer Art durchsetzt; ferner bei den alten Indern, der chinesischen Urbevölkerung, den Angelsachsen in Amerika. Der pyramidischen Grundart gehören in der Hauptsache die alten Griechen und die alten Nordländer an, was sich für Rutz besonders durch die Sprache der älteren Edda und der altgotischen Literaturdenkmale bezeugt; ferner Franzosen, Tschechen, Südslawen und die mongolische Völkerfamilie, die freilich regelmäßig dabei einen sphärischen Einschlag zeigt; dazu die nordafrikanischen Völker, die Mexikaner, die Spanier und Portugiesen. Über die semitische Völkerfamilie sagt Rutz folgendes: „Was als semitische Völkerfamilie bezeichnet wird, Israeliten, Juden, Araber, ebenso die Altbabylonier, gehört der pyramidischen Urart und ihren Spielarten an. Insbesondere weisen die ältesten Sprachdenkmäler, die den Israeliten zugeschrieben werden, die pyramidische Urart auf. Jedoch kommt neben der pyramidischen Urart auch die Spielart mit sphärischem Einschlag vor. Das jüdische Volk weist in seinen über alle Welt zerstreuten Angehörigen die pyramidische Urart zum Teil mit schlankem Körperbau und gerader Nase, zum andern Teil mit sphärischer Gestaltung (dunkler Färbung gegenüber der hellen pyramidischen Färbung, kreisbogenförmiger Nase, untersetzter Figur) auf. Hier und da finden sich Juden mit parabolischer oder sphärischer Art... Die Stoßkraft und Selbstbehaup- 442