Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Synagogale Kunst und ihre Gestaltung auf der Juryfreien Kunstausstellung Berlin 1927
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 428 (sequence 3)
- Language
- German
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Curt Horn Die klare Forderung der Liturgie gab dem Bau von vornherein auch eine fertige Bauform, die in der Errichtung der liturgischen Statte keine besondere Aufgabe mehr für die Entwicklung stellte. In den andern baulichen Fragen des Grundrisses usw. ist aber eine keineswegs geringe Entwicklung von der Wormser Synagoge bis zur Prager Meyselsynagoge zu erkennen. Man denke nur an die Anlage des Frauenhauses, an den Weg von der zweischiffigen zur einschiffigen Halle. Wie weit der synagogale Typ vom Jerusalemer Tempel beeinflußt ist, braucht uns an dieser Stelle nicht zu beschäftigen. Für die von Esra geforderte Thoraverlesung kommt als wichtigster kultischer Platz das Bema, später in Anschluß an muhammedanische Nachbildungen der Almemor genannt Auf dieser Erhöhung steht der Schulchan, der Tisch für die Thora. Ein Stufenaufgang führt zum heiligen Schrein, in dem die Tnorarollen aufgestellt sind. Der Thoraschrank muß im Osten stehen. Die von Grotte S. 12 angegebene talmudische Vorschrift besagt, daß in der Mitte der Synagoge man eine Erhöhung (Bema) errichten soll, auf welche sich derjenige stellt, der aus der Thora vorliest, damit es alle hören können. Es ist außerordentlich interessant, daß hier die Hörsamkeit keineswegs davon abhängig gemacht wird, daß der Vorbeter etwa den Zuhörern zugewandt spricht; ausdrücklich ist angeordnet, daß der Vorbeter zum Heiligtum hin das Angesicht zu richten habe, und gerade in dem Teil zwischen dem Bema und dem heiligen Schrein darf nach einer anderen, zwar bald nicht mehr streng beobachteten Vorschrift, niemand mit dem Rücken der Thora zugewandt sitzen. Man scheint also die Hörsamkeit durch die Erhöhung (nicht höher ab sechs Stufen) als gesichert betrachtet zu haben, und es wäre eine wertvolle Aufgabe für die Forschungen heutiger Akustik, wie sie Professor Biehle eingehend betreibt, festzustellen, ob nicht diese Hörsamkeit wirklich bei den hier gegebenen Vorschlägen genügend gesichert ist Dann kommen wir ein gutes Stück weiter für die Verwendung des Zentralraumes auch in der letzten Konsequenz des Zusammenfallens von kultischer und baulicher Mitte. Die Sitzordnung ist in der Talmudvorschrift so angegeben, daß die Ältesten mit ihrem Angesicht gegen das Volk sitzen, die übrigen in Reihen mit dem Angesicht gegen die Lade und die Ältesten. Die klassischen Bauten, haben dieselbe Stellung des Almemors wie in der romanischen Synagoge zu Worms, wo im symmetrisch-zweischiffigen Bau diese Kultstätte zwischen den beiden Säulen zum Schrein gerichtet sind; auch die Altneusynagoge in 428