Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 3 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1927)
- Article
- Begräbnis und Hochzeit
- Date
- 1927-10-01
- Page
- 420 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob verständnisvoll, klug, taktvoll und von edlem Betragen, fromm, seinem Hause ergeben. Sein Bitt- und Dankgebet zeigt, wie ihm das Gelingen Herzenssache ist Reizend ist das Bild, wie er, nachdem Rebekka ihm den Dienst erwiesen: hat, mit dem Geschmeide in der Hand, das er ihr als Belohnung zugedacht, nach ihrem Namen fragt Vielleicht hätten sich Maler von diesem Moment noch mehr angezogen gefühlt, wenn ihnen die richtige Erklärung bekannt gewesen wäre. Es ist ein feiner Zug, daß der Name nicht angegeben wird. Er ist „der" Knecht und will nichts anderes sein. So stellt er sich den Leuten vor. Als sie ihn zum Essen auffordern und später, als sie ihn zum Bleiben nötigen wollen, spricht er die klassischen Worte des gewissenhaften Abgesandten: „Ich esse nicht, bevor ich meine Sache vorgebracht", und: „Haltet mich nicht zurück, da Gott meinen Weg hat gelingen lassen. Lasset mich ziehen, daß ich zu meinem Herrn komme". Das Kapitel ist das längste des ersten Buches und mit einer Ausnahme der ganzen Thora; mehr denn dreimal so lang als z. B. das vorangegangene, und die handelnde Person, die von Anfang bis Ende im Mittelpunkt steht, ist ein Knecht Schließlich fehlt auch hier nicht eine Figur, die für das Gewürz desschalkhaften Spottes sorgt: Laban, der Bruder Rebekkas. Als er das Geschmeide an der Schwester sieht, stürzt er, kaum das Ende ihres Berichtes abwartend, hinaus. Wenn nur der Fremde nicht schon wieder fort ist! Ah, da steht er noch am Brunnen bei den Kamelen! Und überschwenglich begrüßt er ihn: „Komm, o Gesegneter des Herrn! Warum stehst du draußen? loh habe das Haus frei gemacht und Raum für die Kamele geschafft!" Bei einem so reichen Manne — also offenbar einem Gesegneten des Herrn — der so freigebig ist, fällt sicher auch für andere heute etwas ab. Darum ist er nachher der eifrigste Zuhörer und der Erste, der vorlaut, noch vor dem Vater, in den Ruf ausbricht Ihn hat gewiß der Reichtum für die Stimme Gottes besonders empfänglich gemacht Und der kluge Knecht vergißt auch nicht, ihn besonders zu bedenken. Wir erkennen schon jetzt den späteren schlauen und habgierigen Oheim Jakobs. Schon als Kunstwerk erweckt die Erzählung ein reines Wohlgefallen, weil sie mit höchster Überlegtheit und Kunst abgefaßt ist und doch den Eindruck vollkommener Natürlichkeit und Einfalt macht Also Gott hat gesprochen. Und doch greift er selbst gar nicht ein. Nur Menschen haben geredet und gehandelt Gott ist die Deutung und Anerkennung 420